Rust /Oldenburg Das Schaulaufen auf Stöckelschuhen bekommt weniger Bedeutung, Vorstellungsrunden im Bikini gehören der Vergangenheit an. „Miss Germany“, laut Veranstalter der älteste und bedeutendste Schönheitswettbewerb in Deutschland, verlässt den Laufsteg und sucht künftig digital nach jungen Frauen. Statt sich einer Jury zu präsentieren und das Äußere zu betonen, sollen Kandidatinnen künftig per Video und Social Media ihre Persönlichkeit zur Schau stellen. Eine Folge der #MeToo-Bewegung. Und ein Gegenentwurf zu Heidi Klums „Germany’s Next Topmodel“, sagen die Veranstalter. Seit 2000 ist die Miss Germany Corporation Klemmer GmbH & Co KG in Oldenburg alleiniger Veranstalter des Wettbewerbs.

„In der bisherigen Form war die Veranstaltung nicht mehr zeitgemäß“, sagt Organisator Max Klemmer (24) am Donnerstag in Rust bei Freiburg. „Miss Germany“ gibt es seit 1927, der Ablauf hat sich seither in den mehr als 90 Jahren kaum verändert: Junge Frauen qualifizierten sich bei regionalen Wahlen auf Städte-, Regional- und Bundesländerebene. In Einkaufszentren, Hotels und früher auch in Diskotheken stellten sie sich auf dem Laufsteg dem Publikum und einer überwiegend männlichen und oft auch älteren Jury. „Solche Schönheitswettbewerbe sind sexistisch hoch 10“, sagt die Soziologin und Geschlechterforscherin Nina Degele von der Universität Freiburg. Frauen würden auf ihr Äußeres und ihre Rolle als „schmückendes Beiwerk“ reduziert. Auch die #MeToo-Bewegung sorgte zuletzt dafür, dass Frauenbilder hinterfragt wurden.

„Miss Germany“ will nun neue Wege gehen und kooperiert hierfür mit dem Verlag Bauer Media Group („Closer“, „Cosmopolitan“, „Bravo“, „inTouch“.) Regionale Vorwahlen auf dem Laufsteg wird es nicht mehr geben, sagt Klemmer. Junge Frauen, die „Miss Germany“ werden wollen, könnten sich nun über Social Media und Videopräsentationen bewerben. Influencer sollen die jungen Frauen dabei begleiten. Dabei gehe es um Persönlichkeit, Charakter und die Lebensgeschichte der Frauen – und nicht mehr vorrangig um ihr Aussehen.

Bis Ende August laufe diese Bewerbungsphase, die Resonanz sei positiv. Klemmer rechnet deutschlandweit mit mehr als 5000 Bewerberinnen. 16 von ihnen werden es ins Finale schaffen. Dort beschreiten sie dann erstmals den Laufsteg. Fragerunden und Videoporträts der Kandidatinnen sollen dort dann aber im Mittelpunkt stehen. Gewählt wird die „Miss Germany“ mit dem neuen Konzept am 15. Februar kommenden Jahres im Europa-Park in Rust bei Freiburg.

Eine wesentliche Änderung hat es bereits in diesem Jahr gegeben. Die Vorstellungsrunde im Bikini oder anderer Bademode wurde ersatzlos gestrichen. Zudem können im nächsten Jahr neben einer Jury erstmals auch Publikum und Online-Zuschauer abstimmen. „Miss Germany“ werde komplett neu aufgestellt, so Klemmer – und ein Model-Contest fürs digitale Zeitalter. Die Siegerin darf dann auf das Titelbild einer Modezeitschrift.

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