Mit harscher Gesellschaftskritik hat sich der britische Regisseur Ken Loach beim Festival von Cannes zu Wort gemeldet. Sein preisverdächtiges Drama "I, Daniel Blake" fokussiert auf einen älteren Handwerker, der in die Mühlen der Bürokratie gerät und ins soziale Abseits fällt.

Wir wollten sagen, wie die Realität ist", sagte der 79-jährige Loach am Freitag. "Das bricht einem nicht nur das Herz, sondern macht einen auch unfassbar wütend.

Seine Hauptfigur Daniel Blake, Ende 50 und Witwer, darf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr arbeiten. Doch sein Antrag auf Ersatzleistungen wird abgelehnt. Also muss er sich nach der Logik der Behörden arbeitssuchend melden und beweisen, dass er sich um Jobs bemüht - auch wenn er die sowieso nicht annehmen dürfte.

Kämpft er anfangs noch entschlossen dagegen an, so wird er doch immer mehr zermürbt. Einziger Lichtblick ist die junge alleinerziehende Mutter, die er durch Zufall trifft. Auch sie versucht verzweifelt, Anschluss an die Gesellschaft zu finden, doch ihr werden ebenso von staatlicher Seite immer neue Steine in den Weg gelegt.

Es sei schockierend, dass das nicht nur ein Thema in Großbritannien, sondern in ganz Europa sei, sagte Loach, der 2006 in Cannes die Goldene Palme für "The Wind That Shakes the Barley" gewann. Es gebe eine bewusste Grausamkeit in unserem Leben, durch die die Schwächsten noch weiter benachteiligt würden. "Das ist schockierend."

Ebenfalls im Wettbewerb lief am Freitag die deutsch-französische Koproduktion "Ma loute ("Slack Bay)" mit Stars wie Juliette Binoche und Fabrice Luchini ("Nur für Personal!"). Regisseur Bruno Dumont erzählt von sonderbaren Ereignissen in einem Küstenort im Jahr 1910, wo Touristen verschwinden und schräge Fischer auf ähnlich sonderbare Reiche treffen - eine durchgedrehte Groteske, die ihr Tempo und ihre Originalität aber kaum über die erste Filmhälfte tragen kann.

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