Norwegisches Königshaus
König Harald und Königin Sonja feiern Goldene Hochzeit

Meghan, Maxima, Daniel - Bürgerliche sind heute in den Königshäusern normal. Noch vor 50 Jahren war das eine Sensation. Um eine Frau aus dem Volk heiraten zu dürfen, musste Harald von Norwegen lange kämpfen. Jetzt feiern er und Sonja Goldene Hochzeit.

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König Harald musste lange warten, um seine Sonja heiraten zu können. Foto: Haakon Mosvold Larsen/NTB scanpix/APBild: dpa-infocom GmbH
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Das frisch getraute Paar winkt vom Balkon des Königlichen Schlosses der wartenden Bevölkerung zu. Foto: UPIBild: dpa-infocom GmbH
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Das offizielle Hochzeitsfoto mit Blumenkindern und der Brautjungfer Anita Henriksen. Foto: UPIBild: dpa-infocom GmbH
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Kronprinzessin Sonja und Kronprinz Harald von Norwegen bei ihrem Hochzeitstanz im Königlichen Schloss. Foto: UPIBild: dpa-infocom GmbH
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König Harald und Königin Sonja verfolgen von einem Balkon des Königspalastes eine Parade der norwegischen Königlichen Garde. Foto: Ole Berg-Rusten/NTB Scanpix/APBild: dpa-infocom GmbH
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Oslo/Berlin (dpa) - Fast neun Jahre lang hat der heutige König Harald von Norwegen für seine Liebe zu Sonja Haraldsen gekämpft. Die Bürgerliche war alles andere als standesgemäß, die Liebe der beiden ein Skandal. Aber Harald wollte keine andere - und bekam seine Sonja. Am 29. August feiert das Paar Goldene Hochzeit.

50 Jahre nach dem Jawort sieht die Welt im europäischen Hochadel ganz anders aus. Ob Kate, Meghan, Prinz Daniel oder Königin Máxima - inzwischen sind Ehen mit Bürgerlichen in den Königshäusern ganz normal.

Ausnahmen gibt es aber: König Philippe von Belgien und seine Frau Mathilde zum Beispiel. "Auch Mathilde war als Gräfin natürlich eigentlich nicht ebenbürtig", sagt Königshausexpertin Leontine Gräfin von Schmettow. Philippe hat aber als einer der wenigen seiner Generation noch adelig geheiratet. "Wirklich standesgemäß wäre eine Partnerin aus einem anderen Königs- oder Fürstenhaus."

Auch in ganz normalen Familien ging es bei Hochzeiten früher nicht so sehr um Liebe. Im Hochadel eigentlich gar nicht. Wenn Königs und Königskinder heirateten, waren andere Dinge wichtig - Machterhaltung etwa, diplomatische Allianzen oder die Erweiterung eines Territoriums. Da wurde so mancher Thronfolger überrascht, was ihm für eine Prinzessin in seinen Palast kutschiert wurde.

Aber heute, wo Monarchen eigentlich keine politischen Einflüsse mehr haben, da zählen andere Dinge. Eine gute Ausbildung beispielsweise, das Potenzial, die Rolle gut auszufüllen, soziales Engagement - und natürlich Liebe, sagt von Schmettow. Die Braut oder der Bräutigam sollte diskret, diplomatisch und sich des Protokolls bewusst sein.

"Harald wusste, dass Sonja gut in die Rolle passt", meint die Königshausexpertin. Der damalige Kronprinz und die studierte Tochter eines Unternehmers trafen sich 1959. Hochzeit eigentlich ausgeschlossen. "Harald hat wirklich starken Gegenwind bekommen, schließlich drohte er sogar, den Thron nicht anzunehmen", erklärt von Schmettow. Schließlich stimmte der Vater, König Olaf V., zu und informierte die Regierung. Zur Hochzeit im August 1968 blieb der ganz große königliche Auflauf aber aus - viele boykottierten die Feier.

Aber von da an änderte sich vieles in den Königshäusern. Silvia Sommerlath aus Heidelberg wurde mit ihrer Heirat mit König Carl XVI. Gustaf im Jahr 1976 Königin von Schweden. Carl Gustaf habe einfach so lange gewartet bis er König war - und sich dann selbst die Erlaubnis zur Ehe mit der bürgerlichen Deutschen gegeben, sagt der Historiker und Buchautor Leonhard Horowski ("Das Europa der Könige"). Von da an heirateten fast nur noch Bürgerliche in die Paläste ein.

Der Trend zur Liebes-Hochzeit verändert die Königshäuser auch in ihren Strukturen: Waren die meisten früher sehr international - und durch standesgemäße Ehen miteinander verknüpft, heiraten viele heute Partner aus dem eigenen Land. "Sie sind weniger international und driften auseinander", erklärt Horowski.

Das gefällt längst nicht jedem. "Interessanterweise tut sich gerade der deutsche Adel damit schwer, der ja gar keine Macht hat und dessen Stand abgeschafft wurde", sagt von Schmettow. Da gebe es gewisse Kreise, die mit Misstrauen auf die Entwicklung in den Königshäusern schauen. "Manchen ist das eine zu große Annäherung an das Volk." Viele deutsche Herrscherhäuser hätten sich damals Hausgesetze gegeben, sagt Historiker Horowski. "Und die gelten bis heute."

Und auch, wenn Ehen mit Bürgerlichen inzwischen ganz normal sind - irgendwas gibt es an den Auserwählten immer auszusetzen. Zum Beispiel Máxima, inzwischen Königin der Niederlande: Ihr Vater, der Argentinier Jorge Zorreguieta war wegen seiner Rolle in der Militärdiktatur umstritten - und durfte nicht zur Hochzeit seiner Tochter mit Willem-Alexander kommen.

Auch Herzogin Meghan bekam vor ihrer Hochzeit mit Prinz Harry heftigen Gegenwind zu spüren. Geschieden, afroamerikanische Herkunft, Schauspielerin - Kritiker fanden viel zu mäkeln. "Da wird die komplette Vergangenheit durchleuchtet", sagt von Schmettow.

So ging es auch den Norwegern noch einmal - Jahrzehnte nach der skandalösen Hochzeit von Sonja und Harald. Dass Kronprinz Hakons Frau Mette-Marit bürgerlich war, spielte eigentlich gar keine Rolle mehr. Aber die Norweger gingen wieder einen Schritt voraus in Sachen moderne Familie und akzeptierten Mette-Marit. "Ein uneheliches Kind und eine wilde Partyvergangenheit, das war nochmal eine neue Herausforderung", sagt von Schmettow. Aber nach dem Kennenlernen unterstützte der König seinen Sohn, die Partnerin in der Öffentlichkeit durchzusetzen, wie die Expertin schildert. "Natürlich muss er aufpassen, dass die Monarchie keinen Schaden nimmt - aber er ist auch Vater und kennt die Situation ganz genau."

Wie genau die Familie den 50. Hochzeitstag verbringt, blieb zunächst unklar. Eines aber steht fest: Nachmittags lädt das Königspaar zu einem Gottesdienst im Osloer Dom, der live im Fernsehen übertragen wird. Neben den geladenen Gästen dürfen 200 Bürger in der Kirche dabei sein. Sie konnten sich per E-Mail anmelden. Ganz volksnah eben.

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