Berlin (dpa) - Die ersten Änderungen sind schon verkündet, die Büros am Potsdamer Platz bezogen: Die neue Leitung der Berlinale nimmt in der ersten Juni-Woche offiziell ihre Arbeit auf. Der Italiener Carlo Chatrian (47) und die Niederländerin Mariette Rissenbeek (62) bilden eine Doppelspitze.

Chatrian, zuvor beim Filmfestival Locarno, wird künstlerischer Leiter. Rissenbeek, Expertin für Film-Vermarktung, übernimmt die Geschäftsführung. Für Deutschlands größtes Filmfestival, neben Cannes und Venedig eines der wichtigsten weltweit, hat eine neue Ära begonnen.

Die 69. Berlinale im Februar war die letzte mit Dieter Kosslick, der nach 18 Jahren mit Lobeshymnen und einem riesigen Teddy verabschiedet wurde. Chatrian und Rissenbeek erben von Kosslick ein pulsierendes Festival mit jährlich 400 Filmen und mehr als 300.000 verkauften Tickets.

Einen neuen Kurs zu finden, ist nicht einfach. Kritiker finden das Berliner Filmfest zu groß. Fans mögen die erschlagende Auswahl. Kommen Stars, ist das toll. Sind aber deren Filme schlecht, ist das auch wieder nicht richtig. Die Filme sollen künstlerisch anspruchsvoll sein, zugleich müssen sie den Zuschauern gefallen.

Sicher ist: Die Berlinale soll ein Publikumsfestival bleiben. Chatrian sagte der Deutschen Presse-Agentur im April, er habe nicht das Gefühl, dass das Festival kleiner sein müsse. "Denn das Publikum kommt ja zu den Filmen." Rissenbeek versprach sowohl Filme für ein breiteres Publikum als auch für spezielle Gruppen.

Neben einigen personellen Änderungen im Haus sind auch die ersten Einschnitte im Programm schon klar. Das von Kosslick eingeführte Kulinarische Kino, das Essen von Spitzenköchen und Filme verbindet, wird abgeschafft, ebenso die Reihe Native.

Neu ist der Wettbewerb Encounters (Begegnungen), bei dem bis zu 15 Filme gezeigt werden. Er soll neue und ungewöhnliche Stimmen des Kinos unterstützen. Eine dreiköpfige Jury entscheidet über die Preise für den besten Film, die beste Regie und einen Spezialpreis.

Und da ist noch die Sache mit Netflix. Die neue Leitung hält wenig davon, die mit den Kinos konkurrierenden Streamingdienste grundsätzlich von Filmfestivals zu verbannen. "Es sind die jungen Leute, die Netflix gucken, die man wieder ins Kino holen will. Aber Streamingdienste von der Berlinale auszuschließen, wäre vermutlich der falsche Weg", sagte Rissenbeek.

Und Dieter Kosslick? Der 71-Jährige hat schon seine Memoiren geschrieben. Und er hat ein neues kleines Amt: Er wird Juryvorsitzender des Carl Laemmle Produzentenpreises, der in den Vorjahren an Branchengrößen wie Regina Ziegler und Roland Emmerich ging. Nach dem Abschied von den Filmfestspielen gab es noch eine hohe Ehre: das Bundesverdienstkreuz.

Kosslick habe seinen Posten mit so viel Geschick, Leidenschaft und guter Laune ausgeübt, dass man schon heute sagen könne: "Wir werden ihn grenzenlos vermissen", sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. "Wann immer Sie Sehnsucht nach einem roten Teppich haben sollten - das Schloss Bellevue ist bereit, seinen für Sie auszurollen."

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