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Napa Der Jahrgang 2017 ließ sich vielversprechend an in der kalifornischen Weinregion. Die Winzer in Napa und Sonoma waren bei der Weinlese für Chardonnay und andere Spitzenweine, als der Waldbrand dazwischenfuhr, der mittlerweile mindestens zehn Menschen das Leben gekostet hat. Tausende flohen. Mindestens zwei Weinkellereien sind ein Raub der Flammen geworden, viele weitere wurden beschädigt.

Statt Trauben lasen Mitarbeiter des Weinguts Signorello Estate geschmolzene Flaschen in den Trümmern auf. Angestellte der Kellerei Paradise Ridge in Sonoma verbreiteten traurig Fotos dunstiger Ruinen. Bei Gundlach Bundschu beobachtete Tom Willis, wie sich das Feuer heranfraß und hoffte auf das Beste. „Es ist genau hinter dem Hauptbüro“, sagte er. „Es bahnt sich langsam seinen Weg herein.“

Die meisten Weingüter der Gegend mussten schließen, weil der Strom ausgefallen ist, wie die Handelsvereinigung Napa Valley Vintners mitteilte. Einige wurden evakuiert, oft kamen die Angestellten nicht zur Arbeit durch. Wie viele Firmen ausgebrannt sind, war zunächst ebenso offen wie die Antwort auf die Frage, wie stark der Qualm die Ernte verdorben hat. Die meisten Trauben seien aber bereits geerntet, erklärte die Organisation.

In Napa, Sonoma und den umliegenden Bezirken würden nur zwölf Prozent der kalifornischen Weine angebaut, sagte die Weinkundlerin Anita Oberholster von der Universität Kalifornien. Aber hier wüchsen besonders hochwertige Trauben und deren Wein sei besonders wertvoll.

Oberholster sagt, es lasse sich nur schwer vorhersagen, welche Auswirkungen das Feuer auf die Ernte haben wird, aber es gebe gute Chancen, dass der Qualm keinen allzu großen Schaden anrichte. „Selbst wenn die Weine vom Rauch schwer angegriffen werden, wird sich das nicht auf die nächste Saison übertragen“, sagt Oberholster. Betroffen seien dann die Trauben, nicht aber die Weinstöcke.

Zu den Weingütern, die wegen des Feuers schließen mussten, gehören Gloria Ferrer, Ravenswood und Kenwood. Chateau Montelana kam dagegen ohne Schäden davon. Das Weingut hatte 1976 eine internationale Verkostung in Frankreich für sich entschieden und Kalifornien damit zu einer Spitzenadresse für Weinkenner weltweit gemacht.

Doch auch wer ohne Feuerschäden davongekommen ist, hat mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Ohne Strom sind die Trauben kaum zu keltern. Einige Winzer hätten bis zum Abend geerntet, jetzt müsse sie sehen, dass die Trauben ohne künstliche Kühlung nicht verderben, sagt Alisa Jacobson von der Kellerei Joel Gott. „Wir mussten die Früchte in unserem kühlen Fassraum abladen und warten bis morgen, um sie zu verarbeiten“, sagt sie. Das sei nicht ideal, aber schon in Ordnung. „Wichtiger ist, dass alle unsere Angestellten offenbar okay sind.“

Jacobson war fassungslos, wie schnell sich die Flammen breit gemacht haben. Sie sei Sonntagabend gegen 22.00 Uhr ins Bett gegangen und mitten in der Nacht vom Qualmgeruch aufgeschreckt, sagt sie. Um 3.00 Uhr habe es dann die ersten Räumungen gegeben.

Lise Asimont von der Winzerei Family Coppola musste ihr Haus in Santa Rosa als eine der ersten verlassen. Explosionen hätten sie weit vor Morgengrauen aus dem Schlaf gerissen, sie sei sich vorgekommen wie im Krieg, berichtet Asimont. Als sie ihr Fenster geöffnet habe, sei Asche vom Himmel geschneit. Die Behörden hätten ihre Familie aufgefordert, die Wohnung zu räumen.

Asimont sagt, sie habe sich aber auch Sorgen wegen vier Wagenladungen Cabernet-Sauvignon gemacht, die am Sonntag gelesen wurden und wegen gesperrter Straßen nicht in die Kellerei gebracht werden konnten. Schließlich habe sie die Kollegen von LangeTwins angerufen, die tatsächlich noch Platz in einem Tank hatten, wo die Trauben für die Maische zerkleinert wurden. Davon habe sie dann auch anderen Winzern berichtet. „Es gibt viele Leute, die einander helfen. Das ist wirklich fantastisch“, sagt Asimont.

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