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Bochum /Gelsenkirchen Er nannte sich „Mr. X“ und wollte ans ganz große Geld. Fünf Jahre lang soll ein arbeitsloser IT-Fachmann aus Gelsenkirchen versucht haben, den Lebensmittel-Discounter Lidl um insgesamt elf Millionen Euro zu erpressen – mit Rohrbomben und Drohschreiben. Seit Mittwoch steht er in Bochum vor Gericht, zusammen mit seiner sechs Jahre älteren Partnerin.

„Sie wollten einfach aus ihrer miserablen Lebenssituation heraus“, sagte Verteidiger Volker Schröder vor Prozessbeginn. Er vertritt die Frau, die früher einmal Chemiefacharbeiterin war und ihr Geld zuletzt als Spielhallenaufsicht verdiente. Viel schlimmer hätte es für die 54-Jährige aber wohl kaum kommen können. Seit sechs Monaten sitzt sie bereits in Untersuchungshaft.

Für ihren mitangeklagten Partner hatte sie zum Prozessauftakt nur einen flüchtigen Blick übrig. Und als Oberstaatsanwalt Andreas Bachmann später die Anklage verlas, sah es so aus, als wollte sie sich am liebsten verkriechen. Sie senkte den Kopf, zog sich ihren schwarzen Schal über das gesamte Gesicht.

Gesagt haben die beiden am ersten Verhandlungstag noch nichts. Die Erpressung wird das Duo aber wohl zugeben. Das haben ihre Anwälte bereits erklärt.

Am Abend des 22. Oktober 2012 ging vor einer Lidl-Filiale in Bochum-Wattenscheid der erste Sprengsatz hoch. Die Angeklagten sollen in ihrem Keller ein Stahlrohr mit Schwarzpulver gefüllt und vor einem der Schaufenster gezündet haben. Knapp zwei Monate später, am 14. Dezember, kam es in Bottrop zur nächsten Explosion.

Der dritte und letzte Anschlag erfolgte am 15. April 2016 in Herten. Diesmal war die Rohrbombe in einem Papierkorb gezündet worden. Eine Mitarbeiterin wurde durch herumfliegende Teile leicht verletzt. In der Anklage ist von Prellungen und einem Knalltrauma die Rede.

In den Erpresserbriefen, die mit „Mr. X“ unterzeichnet waren, wurde damit gedroht, auch „unschuldige Menschen“ zu töten – und zwar europaweit. Lidl hatte zwischenzeitlich rund eine Million Euro überwiesen, abgehoben wurde am Ende aber nur ein Betrag von 1800 Euro. „Die Angst vor Entdeckung war einfach zu groß“, so Verteidiger Schröder am Rande des Prozesses.

Bei der Abhebung an einem Geldautomat soll sich der Angeklagte zur Tarnung eine Latex-Maske übergezogen haben. Die Ermittler kamen trotzdem auf seine Spur. Was das Duo vorhatte? „Sie wollten sich ein Haus in Spanien kaufen, um dort ihren Lebensabend zu verbringen“, so Schröder. Das ergebe sich aus abgehörten Telefonaten.

Das Geld sollte zuletzt auf so genannte Prepaid-Kreditkarten überwiesen werden. Dabei hatten die Angeklagten aber wohl nicht bedacht, dass sie mit diesen Karten immer nur wenige hundert Euro pro Tag abheben können. Nach Angaben der Verteidiger hätte es neun Jahre gedauert, um an eine Million Euro zu kommen.

Wegen der hohen Gefährlichkeit der Sprengstoffanschläge hat die Staatsanwaltschaft das Duo nicht nur wegen Erpressung, sondern auch wegen Mordversuchs angeklagt. „Über diesen Vorwurf sind sie erschüttert“, sagte Rechtsanwalt Reinhard Peters, der im Prozess den 48-Jährigen verteidigt. Die Angeklagten hätten nie vorgehabt, Menschen zu töten.

Mit den Urteilen ist voraussichtlich im März zu rechen.

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