Bochum Er nannte sich „Mr. X“ und wollte ans ganz große Geld. Fünf Jahre lang soll ein arbeitsloser IT-Fachmann aus Gelsenkirchen versucht haben, den Lebensmittel-Discounter Lidl um insgesamt elf Millionen Euro zu erpressen – mit Rohrbomben und Drohschreiben. Seit Mittwoch steht er in Bochum vor Gericht, zusammen mit seiner Lebenspartnerin.

„Sie wollten einfach aus ihrer miserablen Lebenssituation heraus“, sagte Verteidiger Volker Schröder vor Prozessbeginn. Er vertritt die Frau, die früher einmal Chemiefacharbeiterin war und ihr Geld zuletzt als Spielhallenaufsicht verdiente. Viel schlimmer hätte es für die 54-Jährige aber wohl kaum kommen können. Seit sechs Monaten sitzt sie bereits in Untersuchungshaft.

Begonnen hatte alles vor mehr als vier Jahren: Am Abend des 22. Oktober 2012 ging vor einer Lidl-Filiale in Bochum-Wattenscheid der erste Sprengsatz hoch. Die Angeklagten sollen in ihrem Keller ein Stahlrohr mit Schwarzpulver gefüllt und vor einem der Schaufenster gezündet haben. Knapp zwei Monate später, am 14. Dezember, kam es in Bottrop zur nächsten Explosion.

Der dritte und letzte Anschlag erfolgte am 15. April 2016 in Herten. Diesmal wurde die Rohrbombe in einem Papierkorb gezündet. Eine Mitarbeiterin wurde durch herumfliegende Teile leicht verletzt. In der Anklage ist von Prellungen und einem Knalltrauma die Rede.

In den Erpresserbriefen, die mit „Mr. X“ unterzeichnet waren, wurde damit gedroht, auch „unschuldige Menschen“ zu töten – und zwar europaweit. Lidl hatte zwischenzeitlich rund eine Million Euro überwiesen, abgehoben wurde am Ende aber nur ein Betrag von 1800 Euro. „Die Angst vor Entdeckung war einfach zu groß“, sagte Verteidiger Schröder am Rande des Prozesses.

Bei der Abhebung an einem Geldautomaten soll sich der Angeklagte zur Tarnung eine Latex-Maske übergezogen haben. Die Ermittler kamen trotzdem auf seine Spur. Was die beiden vorhatten? „Sie wollten sich ein Haus in Spanien kaufen, um dort ihren Lebensabend zu verbringen“, sagte Schröder. Das ergebe sich aus abgehörten Telefonaten.

Das Geld sollte zuletzt auf so genannte Prepaid-Kreditkarten überwiesen werden. Dabei hatten die Angeklagten aber wohl nicht bedacht, dass sie mit diesen Karten immer nur wenige hundert Euro pro Tag abheben können. Nach Angaben der Verteidiger hätte es neun Jahre gedauert, um an eine Million Euro zu kommen.

Wegen der hohen Gefährlichkeit der Sprengstoffanschläge hat die Staatsanwaltschaft das Duo nicht nur wegen Erpressung, sondern auch wegen Mordversuchs angeklagt.

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