Schwerin /Berlin Eine „Riesenangst“ habe sie gehabt, gestand Manuela Schwesig. Brustkrebs – die Diagnose im vergangenen Sommer sei ein Schock gewesen, der die SPD-Politikerin damals völlig unerwartet und hart getroffen hatte. Auf einen solchen Moment sei niemand gefasst, so die Mutter zweier Kinder. Es folgten furchtbare Wochen und Monate. Schwesig kämpfte, an der Seite immer ihr Mann. „Es gibt Hoffnung, und es lohnt sich zu kämpfen“, zeigte sie sich zu Beginn des Jahres optimistisch.

Am Dienstag nun die gute Nachricht: „Ich bin gesund!“, sagt Schwesig (45) mit brüchiger Stimme, ist tief bewegt und spricht bei ihrem Auftritt vor den Kameras in der Schweriner Staatskanzlei über ihren erfolgreichen Kampf gegen die Krankheit. Natürlich bleibe immer ein Restrisiko.

Befreites Lächeln

„Es war bislang der schwerste Kampf in meinem Leben“, sagt Schwesig und ist sichtlich erleichtert, ihn für sich entschieden und hinter sich zu haben. Kurzhaarfrisur, ein strahlendes befreites Lächeln, nach der erfolgreichen Therapie will die 45-Jährige erst einmal Kraft tanken, eine Reha-Kur antreten, um dann wieder voll ihren Aufgaben als Ministerpräsidentin nachzukommen. Innenminister Lorenz Caffier (CDU) springt stellvertretend ein.

Der Krebs und die Behandlung, die schweren Monate zwischen Bangen und Hoffen, all das habe auch Spuren hinterlassen, berichtet Schwesig. Jede Menge guter Wünsche gab es am Dienstag für die beliebte SPD-Frau, die in der kommenden Woche ihren 46. Geburtstag feiert und als Hoffnungsträgerin ihrer Partei gilt.

Vor acht Monaten hatte die SPD-Politikerin und frühere Bundesfamilienministerin ihre Brustkrebs-Erkrankung öffentlich gemacht und sich von ihrem Amt als kommissarische SPD-Chefin zurückgezogen. Ein Schock für die Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, ein Schock auch für ihre Familie und die SPD. Die Anteilnahme ist riesig. Auch über Parteigrenzen hinweg.

Schwesig begann mit der Therapie, führte aber auch noch die Amtsgeschäfte zum Teil weiter. „Was wird aus meiner Familie, aus meinen Kindern?“, habe sie sich gefragt. Doch dann habe sie Hoffnung geschöpft, es sei ihr klar geworden, dass ihre Krankheit heilbar und die Diagnose Brustkrebs nicht das Ende sei, zeigte sich Schwesig im Januar bereits zuversichtlich. So viel Zeit wie möglich mit der Familie sei die beste Medizin, so die Landeschefin.

2017 hatte die in Frankfurt/Oder geborene Politikerin das Ministerpräsidenten-Amt von Erwin Sellering übernommen, der auch an Krebs erkrankt war und wieder gesund ist. In der Corona-Pandemie zeigte sich Schwesig zuletzt als entschlossene Krisenmanagerin, verfolgte in Mecklenburg-Vorpommern einen Kurs strikter Beschränkungen im Kampf gegen das Virus. Schwesig sei ein Vorbild im Umgang mit Krebs, lobt SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach. Sie mache vielen Frauen Mut und habe eine beeindruckende Ausstrahlung im Umgang mit der Krankheit gezeigt.

Ein Haifischbecken

Politiker und ihre Gesundheit – vielen Politikern fällt es schwer, mit Krankheit umzugehen. Nicht selten wird geschwiegen, geschwindelt und heruntergespielt. Schließlich geht es um Stärke und Macht, wer in der ersten Reihe schwächelt, muss womöglich damit rechnen, dass die Karriere leidet. „Krankheit gilt in der Gemeinschaft der Haie als Schwäche – wer blutet, wird gefressen“, beschrieb einmal der Chefredakteur der „Süddeutschen Zeitung“, Kurt Kister, das politische Haifischbecken.

Ob Helmut Kohl, Helmut Schmidt oder Hans-Dietrich Genscher, ob Angela Merkel, Sigmar Gabriel oder Horst Seehofer – das Amt und der Stress bleiben oft nicht ohne gesundheitliche Folgen. Zuletzt hatten die Zitteranfälle der Kanzlerin für Aufsehen und Spekulationen über ihren Gesundheitszustand gesorgt.

NWZonline.de/gesundheit
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Andreas Herholz Korrespondentenbüro Berlin
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