London Vor 150 Jahren stellte der Chef von Scotland Yard in London die erste Ampel der Welt auf. Zeitungen priesen sie als „hübsch“, andere nannten sie „elegant“. Gusseisern und gasbetrieben stand sie vor dem Parlament nahe der Themse. Am 10. Dezember 1868 nahm die Ampel den Betrieb auf, drei Wochen später explodierte sie.

Der Polizist, der die Ampel bediente, wurde durch die Explosion verletzt – einige Quellen schreiben sogar: getötet. Heute weist an der Stelle eine grüne Plakette auf den Erfinder der Ampel hin: John Peake Knight.

Knights Idee war es, Signale aus dem Schienenverkehr auf die Straße zu übertragen. Die Ampel ahmte einen Polizisten nach, der den Verkehrsteilnehmern mit seinen Armen Zeichen gab. Nur hatte die Ampel drei davon: Zeigten sie nach oben, mussten Reiter und Kutschen anhalten, zeigten sie nach unten, war die Fahrt frei. Nachts leuchtete zusätzlich eine Laterne, in den heute noch gebräuchlichen Farben Rot oder Grün.

Die Ampel wurde dort installiert, damit die Abgeordneten schneller über die Straße und ins Parlament gelangen konnten. Bei den Londonern war die Ampel schnell unbeliebt. Ein Kutschfahrer beschwerte sich, dass sie „bloß eine weitere Erfindung ist, um uns arme Taxifahrer fertigzumachen“. Trotz der Explosion blieb sie bis 1872 in Betrieb. Dann verschwand die Signalleuchte und Londons Straßen waren für rund 50 Jahre ampelfrei.

Nach dem spektakulären Misserfolg in London dauerte es 46 Jahre, bis die erste elektrische Ampel 1914 in Cleveland im US-Bundesstaat Ohio in Betrieb ging – der Beginn eines weltweiten Siegeszuges – nachdem New York die Erfindung übernommen hatte.

1924 wurde in Berlin ein fünfeckiger und acht Meter hoher Ampelturm errichtet. Auf dem Turm mit Kabine auf dem Potsdamer Platz, damals der verkehrsreichste Platz Europas, saß ein Polizist und steuerte das Signal per Hand. Der Turm gilt als erste Ampel Deutschlands. „Es gab aber Probleme mit der Einsehbarkeit“, berichtet Frank Steinbeck vom Deutschen Technikmuseum Berlin. „Der Potsdamer Platz wurde rasch aufgerüstet.“

Die erste zentral gesteuerte Lichtsignalanlage stürzte Berlin dann zwei Jahre später in ein unglaubliches Verkehrschaos, da alle Ampeln gleichzeitig umsprangen. Erst die Schaltung einer „grünen Welle“ schaffte Abhilfe.

„In Deutschland hat die Ampel ihren Siegeszug erst nach dem Zweiten Weltkrieg angetreten“, berichtet der Historiker Christopher Kopper von der Uni Bielefeld. Vorher habe es einfach nicht so viel Verkehr gegeben. „Im Landkreis Lüchow-Dannenberg gab es bis 1982 keine einzige Ampel. Man hat schließlich doch eine gebaut – auf Druck der Aufsichtsbehörde, die meinte, für die Führerschein-Anwärter müsse es eine Ampel geben.“

Inzwischen gehorchen weltweit Milliarden Menschen der Abfolge von rotem, gelbem und grünem Licht. Deutschland soll sogar die höchste Ampeldichte der Welt haben. In den Nachbarländern sah man schon bald den Kreisverkehr als die oft bessere Lösung an: „Was Verflüssigung des Verkehrs und Unfallrisiko angeht, ist der Kreisel überlegen“, sagt Kopper. In den Innenstädten mit wenig Platz und vielen Fußgängern bewährt sich dagegen nach wie vor die Ampel. Erst in den 1990er Jahren habe die Aufrüstung Ampel-Deutschlands nachgelassen, berichtet Steinbeck.

Jetzt werden die „Pförtnerampel“, die den Zufluss von Fahrzeugen auf überlastete Straßen begrenzt, und die „rote Welle“ genutzt, um den Autoverkehr zu vergrämen oder zu dosieren. In einigen Städten räumen die Ampeln Bussen und Bahnen Vorrang ein.

Inzwischen beschäftigen die Ampelmännchen die Menschen mehr als die Ampeln selbst. In Duisburg verrichtet seit Kurzem ein Bergmann mit Laterne seinen Dienst als Ampelmännchen.

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