Leipzig /Halle Für Tim Bendzko sind die 1400 Zuhörer in der Arena Leipzig alle Weltretter. „Vielen Dank, dass ihr alle hier seid und uns helft, schnellstmöglich zur Normalität zurückzukehren“, ruft der 35 Jahre alte Popstar dem Publikum zu. Seine Fans sind an diesem Samstag alle Probanden. Das Bendzko-Konzert ist ein Experiment der Universitätsmedizin Halle. Die Infektiologen wollen herausfinden, wie hoch das Risiko eines Corona-Ausbruchs nach Großveranstaltungen ist. Während Bendzko singt, erheben die Forscher Daten.

Daten sind wichtig

„Es geht um ein evidenzbasiertes Vorgehen“, erläuterte Michael Gekle, Dekan der Medizinischen Fakultät an der Uni Halle, das Konzept des Corona-Konzerts. Großveranstaltungen sind in Deutschland wegen der Pandemie noch bis mindestens Ende Oktober untersagt. Das trifft die Kultur, aber auch den Sport. Gekle und seine Forscher suchen nach Wegen, um von diesem pauschalen Verbot wegzukommen. Es sei richtig gewesen, im März und April das gesellschaftliche Leben runterzufahren, sagte Gekle. Aber jetzt gehe es darum, „risikoadaptiert“ zu handeln. Dafür seien Daten nötig. „Wenn man jetzt gefragt wird: Welches Risiko steckt denn in so einer Veranstaltung – dann weiß das keiner“, sagte Gekle.

Das Experiment begann am Samstagmorgen mit einem aufwendigen Check-in. Bei allen Teilnehmern wurde vor Betreten der Halle Fieber gemessen. Zudem wurden sie mit sogenannten Contact Tracern ausgestattet, die ihre Kontakte registrieren sollten. Sensoren verfolgten die Laufwege. Dazu wurde fluoreszierendes Desinfektionsmittel eingesetzt, um sichtbar zu machen, welche Flächen besonders oft angefasst werden. Auch der Flug der Aerosole – kleinste Teilchen in der Luft, die das Virus tragen können – sollte nachvollzogen werden.

Drei Situationen simuliert

Für die Studie „Restart-19“ wurden am Samstag drei Konzertsituationen simuliert: Eine wie vor Beginn der Corona-Krise, eine mit etwas mehr Sitzabstand zwischen den Zuhörern und eine mit einer Distanz von 1,50 Meter zwischen den Menschen. „Wir untersuchen Risikokonstellationen“, sagte Studienleiter Stefan Moritz. Er rechne in sechs bis acht Wochen mit ersten Ergebnissen. Die Forscher hatten auf etwa 4200 freiwillige Teilnehmer gehofft. Am Ende wurde es nur ein Drittel. Doch auch mit den 1400 Probanden ließen sich valide Daten generieren, so Moritz.

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