Brake /Hamburg Der Gedanke daran, dass eine Mutter ihr Kind vor einen Zug gestoßen haben soll, schnürt Menschen in der Republik die Kehlen zu. Am Sonntag soll Jana L. (31) ihrem Sohn Leon (11) an einer Hamburger U-Bahn-Station das Unfassbare angetan haben. Ein Zug überrollt den Jungen. Er überlebt, verliert einen Fuß.

Nach NWZ -Recherchen hat Leon L. zuletzt bei seinen Großeltern zur Pflege in Brake (Kreis Wesermarsch) gewohnt. Im Schützenverein hat er erste Erfolge mit dem Bogen erzielt. Seine Mutter soll er gelegentlich in Hamburg besucht haben, heißt es aus dem Umfeld der Familie. So auch an jenem Unglücks-Sonntag.

Auf eine der drängendsten Fragen wird es vorerst keine Antwort geben: Hätte das Jugendamt vorher einschreiten und den Kontakt von Mutter und Sohn unterbinden müssen? Die Behörde schweigt.

Beinahe alle Fragen der NWZ  bleiben mit Hinweis auf den Datenschutz und das „vorgehende Kindeswohl“ unbeantwortet. Etwa, ob dem Amt Schwierigkeiten im Umgang von Mutter und Sohn bekannt waren, ob es zu gewalttätigen Übergriffen auf Leon gekommen ist, ob die Familie im Vorfeld durch das Jugendamt betreut worden ist, ob man Kentnisse über eine etwaige psychische Erkrankung der Mutter hatte, ob die Besuche in Hamburg genehmigt werden mussten und wer das gegebenenfalls getan hat.

Per richterlichem Befehl ist Jana L. jetzt in einer Psychiatrie untergebracht. Dort soll geklärt werden, ob sie schuldfähig ist, sagt Staatsanwältin Nana Frombach im NWZ -Gespräch. Medienberichte, nach denen die Mutter zuvor den Notruf gewählt und sich wirr geäußert haben soll, kommentierte sie nicht. Sie bestätigte jedoch, dass die Polizei am Sonntag vor der möglichen Tat die Mutter in Hamburg aufsuchte. Worum es ging, sagt Frombach nicht.

Der Mutter des elfjährigen Brakers wird versuchter Totschlag in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung vorgeworfen. Darauf stehen bis zu 15 Jahre Haft. Mittlerweile hat das Braker Amtsgericht (Kreis Wesermarsch) der Mutter Teile des Sorgerechts entzogen und vorläufig dem Kreis-Jugendamt übertragen.

In der Stadt und in Leons Umfeld herrschen Entsetzen. „Wir werden ihm helfen“, verspricht Jugendsportleiter Manfred Pöpken vom Braker Schützenverein.

Tobias Schwerdtfeger Leitung / Regionalredaktion
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