Köln Johannes Albers kennt das Gefühl, ständig allein unter Frauen zu sein. Wer mag, kann dafür einen Blick auf sein Smartphone werfen – dort ist er Mitglied in Whats­app-Gruppen, die „Mamikreisel“ heißen. „Die ganzen Angebote, die es für Eltern gibt, sind doch noch eher weiblich dominiert“ erzählt er. Der 33-Jährige sitzt in seinem Wohnzimmer in Köln und ist in Elternzeit – zehn Monate. Sein kleiner Sohn schläft noch im Nebenzimmer.

Für das Jahr 2019 ist Albers ein ungewöhnlicher und zugleich ein gewöhnlicher Vater. Ungewöhnlich an ihm ist, wie lange er eine Job-Pause einlegt. Viele Männer nehmen deutlich weniger Elternzeit und oft gemeinsam mit der Mutter des Kindes. Gewöhnlich ist, dass der 33-Jährige es überhaupt tut. Männer, die Elternzeit nehmen, sind völlig normal geworden. Zum Vatertag am Donnerstag, 30. Mai, lässt sich festhalten: Die Vater-Rolle hat sich gewandelt. Die Frage ist zugleich: Wie sehr? Schaut man sich das deutsche Vater-Land an, landet man nämlich nicht nur bei Leuten wie Johannes Albers – sondern auch bei Jack White. Der Schlager-Produzent, der im März sein sechstes Kind bekommen hat, ließ schon während der Schwangerschaft in der Zeitschrift „Bunte“ wissen, dass Windelnwechseln für ihn nicht infrage komme. Er sei immer der Meinung gewesen, dass die Mutter für das Kind verantwortlich sei.

Man kann einwenden, dass White 78 Jahre alt ist und für eine andere Generation von Vätern steht. Es ist der Sound, den man aus Retro-Serien wie „Mad Men“ zu kennen glaubt, in denen Männer während der Geburt wortkarg vor dem Kreißsaal warten. Zu Hause halten sie sich aus allem raus, was im weitesten Sinne mit den Körperfunktionen des Kindes zu tun hat. Man kann indes auch argumentieren, dass der Schlagerkönig nur ausspricht, was viele denken, aber nicht mehr sagen, weil sich der Zeitgeist gedreht hat.

Gibt es sie also noch, die Fraktion der Retro-Väter? Katja Sabisch, Expertin für kritische Männlichkeitsforschung an der Uni Bochum, zögert bei der Antwort. „Man kann ja schon den Eindruck bekommen, dass sich etwas grundlegend gewandelt hat – weil man mehr Väter mit Kinderwagen sieht“, sagt sie. Allerdings könne das daran liegen, dass man heute mehr darauf achte. Die Aufteilung der Familienarbeit bei der Kinderversorgung sei „immer noch ganz klar weiblich konnotiert“.

Laut „Väterreport“ (2018) des Bundesfamilienministeriums entscheiden sich fast 60 Prozent der Männer, die Elterngeld beziehen, für die Mindestbezugszeit – zwei Monate. Für zehn bis zwölf Monate entscheiden sich nur noch rund 15 Prozent. Forscherin Katja Sabisch nimmt die Väter in Schutz. Es handele sich um erlernte Stereotype und Geschlechterbilder. Hinzu komme die Sorge der Väter vor Sanktionen des Arbeitgebers. Jürgen Kura, Vorsitzender des Vereins Väter in Köln, sieht das Problem bei Deutschland.

„Es gibt zwar das Elterngeld, aber ansonsten tut der Staat nicht viel, um die Strukturen für moderne Väter zu fördern, die sich um ihre Kinder kümmern wollen“, beklagt er.

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