Düsseldorf „Bitte gebt uns nicht auf“, steht auf Plakaten, hochgereckt von Flüchtlingskindern. Neben der Traglufthalle an der Sankt-Franzius-Straße in Düsseldorf wird demonstriert. Auf fast 40 Grad sei die Temperatur in der Halle gestiegen. Die Luft sei verbraucht und unerträglich, berichtet Yaghoub Alboughobeish am Donnerstag, einer der Wortführer der Flüchtlinge. Es gibt auch andere Stimmen - aber einige Demonstranten seien deshalb am Vortag in den Hungerstreik getreten. Bundesweit sind in 35 dieser Traglufthallen nach Angaben des Herstellers rund 10 000 Flüchtlinge untergebracht.

„Unsere Kinder sind krank und müssen ständig ins Krankenhaus“, berichtet Yasmin, eine Mutter aus dem Irak. Ihre Tochter etwa leide an einer Virusinfektion der Lunge. Trotz ärztlichen Attests, das davon dringend abrate, müsse sie in der Halle bleiben.

„Wir wollten nachts draußen schlafen, weil man drinnen keine Luft bekommt, doch die Malteser haben die Polizei gerufen: Wir durften die Matratzen nicht nach draußen bringen“, sagt Adboughobeish. Zum Teil seien zwei Familien in einem Raum untergebracht. Eine „sehr große Maus“, möglicherweise eher eine Ratte, sei in der Halle auch schon gesichtet worden.

Journalisten dürfen nicht in die Halle, aber Temperaturen über 35 Grad werden von Stadt und Malteser-Hilfsdienst bestätigt: „Tagsüber ist es sehr warm, aber nachts kann man in den Hallen schon gut schlafen“, sagt Maxi Schuchardt vom Malteser-Hilfsdienst, der zwei Traglufthallen in Düsseldorf betreut.

„Wir brauchen die Hallen leider noch eine Weile“, sagte Michael Bergmann, Sprecher der Stadt. Durch eine Wasserkühlung und Hitzeschutzfolien soll die Situation bis dahin verbessert werden.

Unterdessen stehen auch in Düsseldorf feste Flüchtlingsunterkünfte leer: „Da gibt es freie Plätze“, bestätigt Bergmann. „Das sind aber Unterkünfte des Landes. Wir sind deswegen in Gesprächen mit dem Land, aber die kommen leider nicht voran.“

Die Mietverträge für die Traglufthallen laufen Ende September aus. Bis dahin sollen Modul-Unterkünfte errichtet sein. Pro Traglufthalle zahlt die Stadt 96 000 Euro Miete im Monat. Eine der 2600 Quadratmeter großen Hallen bietet bis zu 300 Flüchtlingen Platz.

Doch nicht alle Flüchtlinge empfinden ihre Unterbringung als unzumutbar. Vor der Halle distanziert sich eine Frau aus dem Iran von den Demonstranten: „Ich möchte mich bedanken, auch bei den Maltesern. Ich beklage mich nicht“, sagt sie.

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