New York Eigentlich ist es ein medizinisches Wunder, dass Charlie Sheen seinen 50. Geburtstag überhaupt erlebt. Kaum eine Droge, die er ausgelassen hätte; kaum eine Flasche, an der er vorbeikam. Mit Frauen schlief er - manchmal gleich mit mehreren, von denen er kaum den Vornamen kannte. Sheen hat die Lebenskerze an beiden Enden angezündet. Zuweilen schien er ein Getriebener seines eigenen Images, das er lebte und pflegte. Er vertraut seinem Talent - doch Kritiker sagen, er verschwendet es. Egal, jetzt kann er sogar mit Grund feiern: Charlie Sheen wird am 3. September 50.

Dass er Talent hat, bestreiten nicht einmal seine ärgsten Feinde. Er wurde als Sohn eines berühmten Schauspielers in New York als Carlos Irwin Estévez geboren. Der Vater Ramón Antonio Gerardo Estévez ist Sohn eines armen Einwanderers aus Spanien und nahm zu Ehren eines katholischen Bischofs dessen Nachnamen als Künstlernamen an: Martin Sheen. Sohn Carlos machte für sich daraus Charlie Sheen - und spielte schon als Teenager.

In einem Alter, in dem er noch nicht einmal in den USA ein Bier hätte kaufen können, übernahm er schon die Hauptrolle in einem Klassiker: „Platoon“, das Vietnamdrama von Oliver Stone. Manchmal waren die Filme so lala („Die rote Flut“), manchmal Kultfilme („Young Guns“, mit Bruder Emilio) und manchmal beides („Ferris macht blau“). Und natürlich „Wall Street“. Den Oscar bekam zwar Michael Douglas als geldgieriger Finanzhai. Doch die Rolle des jungen Bewunderers, der sich mit seinem Vater (im Film auch der echte: Martin Sheen) gegen sein Idol stellt, gilt bis heute als Sheens beste Rolle.

Und dann kam das Fernsehen und damit der ganz große Ruhm, das ganz große Geld und der ganz große Absturz. Dreimal spielte er eine Figur namens Charlie, der - ständig in der einen Hand eine Blondine, in der anderen einen Drink - mit etwas Charme und viel Glück immer wieder aus dem größten Schlamassel herauskommt. Zuerst in „Chaos City“ (Charlie Crawford), dann in „Two and a Half Men“ (Charlie Harper) - und schließlich im wahren Leben (Charlie Sheen).

Denn da ließ Sheen nichts unausprobiert. Mal setzte er seinen teuren Mercedes auf die Klippen Malibus, mal feierte er mit Stripperinnen eine Orgie, mal ging er mit einem Messer auf seine Frau los. Vieles wurde dem Quotengaranten nachgesehen, der in seiner letzten Staffel von „Two and a Half Men“ trotz aller Schminke blass und ausgelaugt aussah. Als er aber Serienschöpfer Chuck Lorre immer wieder beleidigte („verseuchte kleine Made“), warf der ihn schlicht raus.

Erst zeigte sich Sheen wütend, dann beleidigt, dann reuig: „Ich hätte mich auch gefeuert.“ Doch es gab kein Zurück. Aber seine neue Serie „Anger Management“ war durchaus erfolgreich. Und er spielte sogar einmal den Präsidenten der USA, in dem sich selbst nicht ernstnehmenden Film „Machete Kills“. Aber er verlor den Sorgerechtsstreit um seine beiden Söhne Bob und Max. Den Richter nach all den Exzessen zu überzeugen, dass er der bessere Umgang für die Kinder sei, wäre die größte Rolle des Charlie Sheen geworden.

Schlagzeilen macht er immer noch. Er verlobt sich auf Hawaii mit einer Pornodarstellerin und verspricht ihr seine vierte Ehe. Er bezeichnet den Einsturz des World Trade Centers nach den islamistischen Anschlägen am 11. September 2001 als „kontrollierte Sprengung“. Er bezahlt der Schauspielerin Lindsay Lohan 100 000 Dollar Steuerschulden. Er bläst die Heirat mit der Pornodarstellerin wieder ab. Und er wird ständig feiernd und trinkend gesehen. Da soll noch einer sagen, Charlie Sheen sei unberechenbar.

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