Hamburg „Hab ich das schon erzählt? Ich glaube nicht!“ Diese Sätze waren am Montag vor dem Landgericht Hamburg vielfach aus dem Mund des 71 Jahre alten Angeklagten zu hören. Nur, um dann im Strafprozess von einer Episode aus seinem Leben im Gefängnis zu erzählen, die 1990 an einem Tag mit „strahlend blauem Himmel“ passierte.

Der wegen versuchten Mordes angeklagte Serienbankräuber setzte am Montag über mehrere Stunden den zweiten Teil seines letzten Wortes fort. Dabei schimpfte er vor allem auf die Unfähigkeit der Ermittler, lobte sich für die schlaue Planung seiner Banküberfälle und kritisierte die Vorsitzende Richterin für ihre Einwürfe. „Mir ist schon klar, dass Sie mir heute mein letztes Wort abschneiden wollen“, sagte der zuletzt in Kiel lebende Deutsche dazu.

Richterin Birgit Woitas reagierte mit klaren Worten. „Das werde ich nicht tun. Sie haben das Recht darauf. Ich weise Sie darauf hin, wenn es Wiederholungen sind. Denn die muss ich unterbinden.“ Angeklagte haben vor der Verkündung des Urteils das Recht, nicht die Pflicht, auf das letzte Wort. Das ist in der Strafprozessordnung als Kernbestandteil der Angeklagtenrechte in der Hauptverhandlung verankert, wie der Gerichtssprecher Kai Wantzen sagte. „Im Regelfall geht es um wenige Sätze, es kommt aber vor, dass ein Angeklagter deutlich mehr zu sagen hat “, so Wantzen.

Der Mann muss sich vor Gericht wegen drei Raubüberfällen auf Hamburger Banken sowie einen dabei abgegebenen Schuss auf einen Bankangestellten verantworten. Dabei erbeutete der 71-Jährige rund 25 000 Euro. Der Staatsanwalt hatte eine Haftstrafe von zwölf Jahren und zehn Monaten sowie Sicherungsverwahrung gefordert.

Der Prozess wird am 13. September mit weiteren Ausführungen des Angeklagten fortgesetzt. Zudem legte die Richterin sieben weitere Prozesstermine fest.

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