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Hamburg Große Klappe, großes Herz - so haben die Zuschauer Jan Fedder geliebt. Als „Großstadtrevier“-Polizist Dirk Matthies sorgte er über Jahrzehnte in der ARD-Dauerserie für Recht und Ordnung auf St. Pauli. Kiez und Kodderschnauze - zu Fedder gehörte beides.

Sowohl zur Rolle seines Lebens im Fernsehen wie auch im wahren Leben. Dort am Hafen, zwischen Schiffen und Seemännern, Reeperbahn und Rotlichtmilieu, war er aufgewachsen. Ein waschechter Hamburger Jung, der weit über seine Heimat hinaus zum Publikumsliebling wurde. Am Montag teilte die Polizei mit, dass der „Hamburger Ehrenkommissar“ gestorben ist. Jan Fedder wurde 64 Jahre alt.

Fedder war ein Kerl mit Kanten und auf Konventionen pfeifend, ein Raubein mit Charme. Vor allem einer, der sich nicht verbiegen ließ und sagte, was er dachte. Als er 2006 nach vielen Jahren im Einsatz als TV-Polizist seinen ersten und einzigen Deutschen Fernsehpreis bekam, erhielt er den nicht etwa als Serienstar, sondern für die Hauptrolle in „Der Mann im Strom“. Einen arbeitslosen Taucher im Hamburger Hafen, der für einen Job seine Papiere fälscht, hatte er darin verkörpert. Fedders Kommentar bei der Preisverleihung auf der Bühne: „Und die Moral von der Geschicht’: Mach einfach vier Wochen mal ein anderes Gesicht. Und dann, Alter, das ist kein Scheiß, kriegt du dafür den Deutschen Fernsehpreis.“

In vier Verfilmungen von Siegfried-Lenz-Werken übernahm Fedder die Hauptrolle. In den 50er Jahren war Lenz (1926-2014) nach Hamburg gezogen - jene Zeit, in der der kleine Jan am Hafen aufwuchs. „Ich bin nicht nur echter Hamburger, ich bin echter St. Paulianer - das ist ‘ne ganz besonders edle Rasse“, hat Fedder seinen Kiez-Bullen Matthies, den er seit 1992 in Deutschlands bekanntestem TV-Polizeirevier spielte, mal erklären lassen. Die Verkörperung norddeutscher Charaktere - mal mehr, mal weniger Plattdeutsch schnackend - war sein Markenzeichen. „Volksschauspieler - mit Fug und Recht“, nannte er sich selbst.

Erste große Rolle im Kino

Erst waren es kleine TV-Rollen, bis er 1981 fürs Kino in ein U-Boot stieg und zu Maat Pilgrim wurde: in Wolfgang Petersens Kinoerfolg „Das Boot“. Viele aus jener legendären Leinwand-Crew machten danach Karriere, allen voran Jürgen Prochnow. Fedder aber blieb in der Heimat und drehte oft dort, wo „son büschen“ Hamburger Slang gefragt war. In Hunderten Film- und Fernsehproduktionen wirkte er mit. Nicht nur sein Part im „Großstadtrevier“ und als ebenfalls auf St. Pauli beheimateter „Hafenpastor“ waren Paraderollen für ihn, auch die des bräsigen Bauern Brakelmann in der NDR-Serie „Neues aus Büttenwarder“.

Angesiedelt ist das fiktive Dorf Büttenwarder in Schleswig-Holstein, wo Fedder im Kreis Steinburg auch einen Bauernhof bewohnte. Für Peter Heinrich Brix, Kollege und „Büttenwarder“-Bauernkumpel „Adsche“, war Fedder ein „Gesamtkunstwerk“. „Ich denke, man sollte ihn so nehmen wie er ist - und das ist ‘ne ganze Menge“, hatte Brix über ihn gesagt. Produzent Markus Trebitsch nannte ihn mal „die größte Symbiose aus einer ziemlich großen Klappe und einem großen Herzen“. Und Drehbuchautor Norbert Eberlein betonte, Fedder habe „dieses Hauptdarsteller-Gen“. „Wenn er in einer Szene drin ist, ist es eine Fedder-Szene.“

Mehrfacher Ehrenkommissar

Gleich mehrfach wurde Fedder von der Polizei zum Ehrenkommissar ernannt. Auf der Reeperbahn steht er als Wachsfigur im „Panoptikum“, St. Pauli blieb auch immer sein Zuhause. Selbst in seiner Ehe mit Marion - das Paar heiratete 2000 im Michel - blieben getrennte Wohnungen wichtig. Seine Sammelwut mit allen möglichen alten Objekten konnte er auf dem Bauernhof ausleben. Zurückgezogen vom Filmset hatte sich der Schauspieler, der mit seiner knarzigen Stimme auch als Sänger auftrat, nur für Zwangspausen aus gesundheitlichen Gründen, erstmals 2012 wegen einer Krebstherapie. Immer wieder machte ihm seitdem seine Gesundheit zu schaffen, doch Fedder gab nicht auf.

Den Glauben an Gott habe er nicht verloren, aber seine Krankheiten hätten ihn daran zweifeln lassen, sagte er im Interview der Deutschen Presse-Agentur im Herbst 2016. „Das habe ich eigentlich nicht verdient. Ich bin ein grundehrlicher Mensch. Ich lüge nicht, ich habe noch nie jemanden beschissen, gar nix.“ Nur beim Thema Krankheiten habe er gelegentlich geschummelt. „So ziemlich alles mach ich - leider - mit mir selbst aus“, erzählte er auch. „Viele Freunde habe ich nicht, nicht mehr so wie früher. Aber ich habe einen besten Freund und eine wundervolle Frau - die beiden helfen mir, sind immer für mich da.“

Sich selbst nannte Fedder später oft ein „altes Zirkuspferd“. „Ich kann zwar nicht mehr so hoch springen, aber im Kreis laufen kann ich immer noch“, sagte er, als er trotz Krankheit wieder drehen konnte. Doch als im Herbst 2017 die 31. „Großstadtrevier“-Staffel anlief, war klar, dass das Aushängeschild Fedder nicht mehr in jeder Episode zu sehen ist. „Jetzt wünsche ich mir nur noch eine Tüte Gesundheit“, hatte er ein Jahr zuvor noch im Interview gesagt und auf Besserung gehofft. „Auch wenn mir jemand die Treppe hochhelfen muss, eines Tages wird es bestimmt wieder besser“, sagte er. „Nur wenn ich nicht mehr drehen darf, dann falle ich tot um. Dann ist es vorbei.“

Reaktionen auf Jan Fedders Tod

„Jan Fedder war ein Norddeutscher durch und durch: ehrlich, echt, direkt, manchmal raubeinig, aber im Kern herzlich“, sagte NDR-Intendant Lutz Marmor am Montagabend in Hamburg und nannte ihn einen „echten Volksschauspieler“. Auch die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) würdigte Fedder, der sich seit 2007 ehrenamtlich bei den Seenotrettern engagiert hatte.

Den Seenotrettern zufolge hatte Fedder „einen Riesenrespekt vor den Männern auf den Rettungskreuzern“. Neben ihrer Einsatzbereitschaft und ihrem hohen Ausbildungsstand habe ihn vor allem beeindruckt, dass die Gesellschaft ausschließlich durch Spenden finanziert werde, hieß es. In einer seiner ersten Aktionen habe er in einem ARD-Quiz 18.750 Euro für die DGzRS erspielt.

Intendant Marmor sagte, Fedder habe verschmitzte Typen genauso überzeugend verkörpert wie melancholische und wortkarge Menschen. „Der Tod dieses einzigartigen Schauspielers hinterlässt eine große Lücke“, fügte der NDR-Intendant hinzu.

Der Hamburger Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) schrieb bei Twitter, ein Hamburger Original sei gestorben. Fedder sei eine der beliebtesten Persönlichkeiten der Stadt gewesen. Die Hamburger Polizei schrieb in dem Kurznachrichtendienst im Internet: „Unser #Ehrenkommissar Jan Fedder ist heute verstorben. Wir sind tief betroffen.“

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