Grevenbroich „Es hätte meine Tochter sein können, sie waren gleich alt“, sagt Horst I.. Der 50-Jährige erinnert sich noch genau an das Verschwinden der elfjährigen Claudia Ruf vor 23 Jahren und an das Entsetzen im Ort, als bekannt wurde, dass das Mädchen ermordet worden war. „Es war einfach heftig“, sagt der Grevenbroicher.

Nun steht Horst I. am Samstagmorgen vor der Grundschule seines niederrheinischen Heimatortes Hemmerden, der zu Grevenbroich gehört. Er war zum Tatzeitpunkt 27 Jahre alt und soll deshalb eine Speichelprobe abgeben – wie alle Jugendlichen und Männer, die damals in Hemmerden wohnten und zwischen 14 und 70 Jahre alt waren.

Die Suche nach dem Mörder der elfjährigen Claudia Ruf ist wieder aufgerollt worden, seit Profiler im Landeskriminalamt NRW neue Ansätze bei dem Fall entdeckt haben. Der dritte und größte DNA-Massentest soll den Mörder endlich überführen.

Mehr als 800 Männer, die noch am Ort wohnen, sind in der ersten Runde aufgerufen, ihre DNA testen zu lassen. Bis Sonntagmittag kamen schon fast 600. Dabei können die DNA-Proben auch noch am kommenden Wochenende abgegeben werden. Die Polizei zeigte sich erfreut über das große Interesse der Anwohner. In der vergangenen Woche waren mehr als 100 neue Hinweise aus der Bevölkerung zu dem Fall eingegangen.

Am Eingang der Grundschule, die vor mehr als zwei Jahrzehnten auch Claudia Ruf besuchte, steht am Samstag ein Bildschirm, der über den Ablauf des Tests informiert. Die Männer müssen mehrere Stationen durchlaufen, die auf verschiedene Klassenräume verteilt sind, um „etwas Privatsphäre zu schaffen“, wie der Chef der Mordkommission, Reinhold Jordan, sagt.

Claudia Ruf war im Mai 1996 entführt worden, als sie mit einem Nachbarshund Gassi ging. Sie wurde sexuell missbraucht und erdrosselt. Ihre Leiche wurde 70 Kilometer entfernt in Euskirchen auf einem Feldweg gefunden. Um Spuren zu verwischen, hatte der Täter sie mit Benzin übergossen und angezündet.

Der Vater von Claudia Ruf appellierte vor dem neuen DNA-Test an die Einwohner von Hemmerden, die Ermittlungen zu unterstützen. „Bitte helfen sie der Polizei. Bitte helfen sie mir.“ Es bestehe jetzt die Chance, das traurige Schicksal seiner Tochter doch noch aufzuklären.

Horst I. wünscht sich für die Familie Claudias, dass sie zur Ruhe kommt. „Je mehr Männer an dem Test teilnehmen, desto enger zieht sich die Schlinge“, sagt er. „Es ist unsere Pflicht mitzumachen.“

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