Stuttgart Dass Ulf Merbold als einziger Deutscher dreimal im Weltall war und auch sonst mit Rekorden aufwarten kann, lässt ihn auch nach mehr als zehn Jahren im Ruhestand nicht los. An seinem 75. Geburtstag an diesem Montag ist der mit Abstand erfahrenste deutsche Raumfahrer weiter ein gefragter Gesprächspartner. Dabei mahnt er vor allem immer wieder die Europäer, sich stärker einzubringen bei der Erforschung des Alls – und den Weltraum nicht den Russen, Chinesen und US-Amerikanern zu überlassen.

„Wir haben im Moment eine Zeit des Verwaltens und nicht des Gestaltens. Wir drehen an kleinen Stellschrauben. Uns fehlen die Figuren für die großen Entwürfe“, sagt Merbold. Von seinem Haus in bester Stuttgarter Höhenlage mit weitem Blick in die schwäbische Landschaft unternimmt der leidenschaftliche Physiker immer wieder Reisen zu Vorträgen und Raumfahrertreffen. Auch als der ESA-Astronaut Alexander Gerst 2014 vom Weltraumbahnhof Baikonur zur Internationalen Raumstation (ISS) startete, war Merbold auf dem Kosmodrom in der kasachischen Steppe dabei.

Mehr als 30 Jahre ist es her, dass er selbst 1983 auf dem Jungfernflug des europäischen Raumlabors „Spacelab“ als erster Westdeutscher ins All flog. Und er war der erste Ausländer an Bord eines US-Raumschiffs überhaupt. „Erleichtert und glücklich“ sei er damals gewesen, unter mehr als 2000 Bewerbern ausgewählt worden zu sein, sagt er.

Merbold war noch in der Ausbildung, als 1978 bereits ein anderer - der DDR-Bürger Sigmund Jähn – als erster Deutscher das All eroberte.

Merbold, der im thüringischen Greiz geboren wurde, hatte seine eigene leidliche Erfahrung mit dem System. Nach dem Abitur 1960 hätte er gern Physik in Jena studiert. Doch weil er nicht in die DDR-Jugendorganisation FDJ eintrat und auch sonst zum System auf Distanz ging, blieb ihm das Studium verwehrt. Noch vor dem Mauerbau ging er in den Westen, studierte in Stuttgart.

Fast zehn Jahre vergingen nach dem ersten Flug. 1992 reiste Merbold an Bord der Raumfähre „Discovery“ erneut ins Weltall. Und dann die dritte Tour 1994 an Bord des Raumschiffes „Sojus TM-20“. Es war das erste Mal, dass ein Astronaut der ESA auf die russische Raumstation Mir fliegen durfte.

Eine gute Sicht von oben genießt der begeisterte Hobby-Pilot noch immer regelmäßig – beim Segelfliegen.

Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.