Coburg /London Wenn jedes Jahr am Heiligen Abend halb England noch die letzten Geschenke einpackt und Kärtchen für die Nachbarn schreibt, sitzt eine Familie schon vor dem festlich geschmückten Tannenbaum: die Windsors. Dass Königin Elizabeth II. und ihre Verwandtschaft Weihnachten so verbringen, wie das Millionen Deutsche, aber nur wenige Briten tun, geht auf einen Mann aus Franken zurück: Prinz Albert von Sachsen-Coburg und Gotha, Prinzgemahl von Königin Victoria und Ur-Ur-Großvater der Queen.

Am kommenden Montag wird der 200. Geburtstag des Adeligen gefeiert, der am 14. Dezember 1861 im Alter von nur 42 Jahren auf Schloss Windsor starb.

Die deutsche Version des Weihnachtenfeierns ist nur eines von vielen Beispielen, wie der zunächst ungeliebte Prinz aus Deutschland in den gut 20 Jahren seines royalen Handelns dem Königreich seinen Stempel aufdrückte. „Er hat großen Anteil daran, dass das viktorianische Zeitalter so erfolgreich verlaufen konnte“, sagt die geschäftsführende Vorsitzende der Prinz-Albert-Gesellschaft, Franziska Bartl.

Bis 1917 trug die königliche Familie Großbritanniens sogar noch den Familiennamen Alberts, Saxe-Coburg-Gotha. Im Ersten Weltkrieg wurde aus politischen Gründen der Fantasiename Windsor kreiert. Premierminister Benjamin Disraeli sah unmittelbar nach dem Tod Alberts in ihm sogar den heimlichen Regenten des auf dem Weg zum Weltreich befindlichen Britischen Empire: „Dieser deutsche Prinz hat England 21 Jahre lang mit einer Weisheit und einer Energie regiert, die keiner unserer Könige je an den Tag gelegt hat.“

Der Autor mehrerer Bücher über Albert und Victoria, Thomas Kielinger, kommt zu dem Schluss, die Zeit Alberts als Prinzgemahl habe verdient als eigenes, „albertinisches“ Zeitalter erwähnt zu werden.

Unter anderem beschäftigte sich Albert als einer der ersten in England mit der sozialen Frage, ging in die damals für die Oberschicht verpönten, schmutzigen Arbeiterviertel Londons, schuf erstmals annehmbare Wohnbedingungen für die Unterschicht – mit Klospülung und Heizstätte. Er veranstaltete die erste Weltausstellung in London, förderte Kultur, Architektur und Wissenschaft, setzte sich für neue Landwirtschaft ein.

Prinz Albert ist das schillerndste Beispiel für die Heiratspolitik, für die das Geschlecht derer von Sachsen-Coburg zur Zeit der deutschen Kleinstaaterei berühmt geworden war. Die Coburger ließen ihre Sprösslinge in europäische Königshäuser einheiraten – und mehrten Einfluss und Geltung.

Viele Überbleibsel zeugen von der Popularität, die der anfangs wenig willkommene Deutsche in Großbritannien im Stande war zu erwerben. Die Royal Albert Hall ist noch immer ein bedeutender Veranstaltungsort, gegenüber im Hyde Park thront der einstige Prinzgemahl auf einem überdimensionalen Memorial. Das Victoria and Albert Museum gehört zu den kulturellen Höhepunkten Londons.

Und auch in der Heimatstadt Alberts ist der Prinzgemahl eine feste Größe, zumal der berühmte Sohn den Tourismus in der schmucken Kleinstadt fördern soll. Mitten auf dem Marktplatz in der mittelalterlichen Altstadt Coburgs steht sein Denkmal. Der Albertsplatz wurde neu gestaltet, und mit Prinz Andreas lebt noch ein direkter Nachkomme Alberts in der Stadt.

Dass Queen Elizabeth II. persönlich die Schirmherrschaft über die Festwoche übernommen hat, freut die Coburger – das Verhältnis zwischen der Heimatstadt Alberts, die in den 30er Jahren in England als „First Nazi Town“ bekannt wurde, und dem Buckingham-Palast gilt als unterkühlt.

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