Bückeburg Ein junger Vater hat im Landgericht Bückeburg den Vorwurf zurückgewiesen, seinen kleinen Sohn zu Tode geschüttelt zu haben. Dem drei Monate alten Baby sei es nach einer Impfung zunehmend schlechter gegangen, sagte der 23-jährige Deutsche aus dem Kreis Schaumburg am Mittwoch beim Prozessauftakt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, den kleinen Jungen im November vergangenen Jahres so stark geschüttelt zu haben, dass der Säugling Hirnblutungen erlitt und trotz einer Notoperation zwei Tage später starb. Die Mutter war an dem Tag für zwei Stunden nicht in der Wohnung. Für den Prozess hat das Gericht 18 Zeugen und einen Sachverständigen geladen. Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage angesetzt.

Nach einem vorläufigen Gutachten muss das Kind schon zuvor geschüttelt worden sein. Die 21-jährige Mutter berichtete als Zeugin, dass das Kind im November blass gewesen sei und sich ständig übergeben habe. Im Krankenhaus sei jedoch nichts festgestellt worden und auch der Hausarzt habe nur einen Virus vermutet.

Gefahr des Schüttelns häufig unterschätzt

Jährlich werden Schätzungen zufolge bundesweit mehr als 100 Babys und Kleinkinder mit Schütteltraumata in Kliniken gebracht. Fachleute gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Meist schütteln Eltern die Säuglinge, weil sie deren anhaltendes Schreien hilflos oder wütend macht. Täter sind laut Studien überwiegend Väter.

Fast jeder vierte Deutsche unterschätzt die Gefahr des Schüttelns für Babys, wie aus einer repräsentativen Umfrage von 2017 hervorgeht. Wegen ihrer schwachen Nackenmuskulatur können Säuglinge den Kopf nicht alleine halten. Durch das gewaltsame Schütteln wird das Gehirn im Schädel hin- und hergeworfen - Blutgefäße und Nervenbahnen können reißen. 10 bis 30 Prozent der in Kliniken behandelten geschüttelten Babys sterben, rund zwei Drittel erleiden bleibende Schäden wie wiederkehrende Krampfanfälle oder schwerste körperliche und geistige Behinderungen.

Seit dem vergangenen Jahr klärt ein „Bündnis gegen Schütteltrauma“ im Auftrag des Bundesfamilienministeriums auf, wie gefährlich das Schütteln für Babys ist, und weist verzweifelte Eltern auf Hilfsangebote hin. Man geht heute davon aus, dass das teils mehrstündige grundlose Schreien von Babys mit Reifungsprozessen zusammenhängt. Schreit ein Säugling über einen längeren Zeitraum jeden Tag über mehrere Stunden hinweg, könnte es sich um eine frühkindliche Störung halten. Mütter und Väter können dann Hilfe in der Sprechstunde einer sogenannten Schreiambulanz einer Kinderklinik suchen.

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