Paris Es war ein lauer Frühlingsabend, der 15. April 2019, als die Nachricht vom Feuer in Notre-Dame die Runde machte. Schnell war klar: Das ist weit mehr als ein kleiner Brand, die Kathedrale drohte einzustürzen – der Vierungsturm auf dem Dach tat es. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron eilte auf die Île de la Cité, die Seine-Insel, auf der das rund 850 Jahre alte Bauwerk steht.

Erst am nächsten Morgen war klar: Das Feuer ist gelöscht, die Kirche vorerst gerettet. Die ganze Welt nahm Anteil, Hunderte Millionen von Spenden kamen für den Wiederaufbau zusammen. Dieser gestaltet sich nun schwierig, denn die Sicherungsarbeiten sind ein Jahr später immer noch nicht abgeschlossen. Auf der Baustelle steht ein riesiger Kran, Fenster sind mit Folien verhängt, die mächtigen Strebebögen mit Holz gestützt.

„Doch das Problem ist immer noch, das Gerüst, das auf dem Dach steht, herunterzubekommen. Das abzubauen, ohne dass das Gewölbe einstürzt, ist immer noch das Schwierigste“, sagt die frühere Kölner Dombaumeisterin Barbara Schock-Werner. Sie koordiniert die deutsche Hilfe beim Wiederaufbau. „Solange das Problem nicht gelöst ist, sind im Grunde alle anderen Fragen erst mal zurückgestellt.“ Vor dem Brand war das Baugerüst für Renovierungsarbeiten auf dem Dach aufgebaut worden. Bei dem Feuer ist es teilweise geschmolzen.

Auch ein deutscher Kunsthistoriker hilft beim Wiederaufbau – Professor Stephan Albrecht von der Universität Bamberg stellt Farbanalysen und 3D-Aufnahmen zur Verfügung. „Von der Universität Bamberg kommt da zum Beispiel das komplette Querhaus innen und außen“, so der Experte. Gleichzeitig werde mit Drohnen an einem aktuellen Modell der Kathedrale gearbeitet, um es mit der Kathedrale vor dem Brand zu vergleichen. „Wenn man die beiden Modelle miteinander vergleicht, kann man zum Beispiel sehen, inwiefern sich die Wände durch den Brand verändert haben.“

Innerhalb von fünf Jahren, das hatte Präsident Macron versprochen, soll die Kathedrale wiederaufgebaut werden. Daran gab es von Anfang an Zweifel, in der aktuellen Corona-Krise umso mehr. Zwischendurch waren die Arbeiten auch wegen der Bleiverschmutzung unterbrochen – das Blei war während des Brandes geschmolzen.

Je länger es dauert, desto schwieriger ist das auch für die Menschen, die mit der Kirche verbunden sind. Dutzende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in der Kathedrale beschäftigt waren, verloren ihre Jobs. Die Gemeinde war plötzlich heimatlos.

Die Lebendigkeit der Kathedrale, die täglichen Messen, die gefeiert wurden – das bewundert auch die 78-jährige Helgard Zahlen an Notre-Dame. Am Freitag vor dem Brand hatte sie ihre letzte Führung gegeben. Für Notre-Dame hat sie bereits eine Leidenschaft, so lange sie denken kann.

Wie sehr Corona die Arbeiten weiter verzögern wird und nun alles weitergeht – all das ist im Moment unklar. Auch der Pariser Erzbischof Michel Aupetit kann es nicht sagen: „Ich bin ein Erzbischof, kein Prophet.“

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