Berlin 25 Jahre nach dem Mauerfall wird in Berlin wieder eine Mauer gebaut: Im noblen Villenviertel Dahlem sollen fünf Meter hohe Betonriegel die künftigen Bewohner einer neuen Luxus-Wohnanlage schützen – vor dem Lärm der Sportplätze eines Jugendfreizeittreffs und dem Kinderhaus „Tom Sawyer“ des Unionhilfswerks. Der Mauerbau erhitzt in Berlin die Gemüter und gibt der Diskussion darüber, wieweit Lärmschutz gehen darf, erneut Nahrung.

Das Deutsche Kinderhilfswerk spricht von einem Verstoß gegen die UN-Kinderrechtskonvention, die einen Vorrang des Kindeswohls auch bei Verwaltungsentscheidungen vorsehe. Bundesgeschäftsführer Holger Hofmann sagt, „es ist ein Skandal, dass das Wohl von Bewohnern von Luxuswohnungen über den Interessen von Kindern steht.“

Auch die Leiterin des Kinderhauses, Anne Pallada, berichtet, dass die Wände in der Nachbarschaft Empörung ausgelöst hätten. „Die Skaterbahn ist laut, aber es gibt sie seit etwa zehn Jahren, noch nie hat es Beschwerden von Anwohnern gegeben“, sagt sie. „Die Verhältnismäßigkeit der Anlage erschließt sich mir nicht. Können Sie sich das Bild vorstellen, wenn ein Sechsjähriger vor einer fünf Meter hohen Wand spielt?“

Die Lärmschutzwände werden derzeit an der Mar­shallstraße und am Tom-Saw­yer-Weg hochgezogen. Sie liegen hintereinander und werden eine Skaterbahn und einen Sportplatz einfassen. Auf der anderen Seite der Mauer liegt das Neubaugebiet, auf dem Stofanel Investment eine Luxus-Wohnanlage errichtet. Die Firma macht in einer Stellungnahme geltend, dass die Schallschutzwände der Vorbeugung vor möglichen Lärmklagen betroffener Nachbarn dienten.

Der Baustadtrat des Berliner Bezirks Steglitz-Zehlendorf, Norbert Schmidt (CDU), betont, es sei darum gegangen, sowohl Wohnungsbau zuzulassen als auch eine Skaterbahn für Jugendliche zu erhalten, die eigentlich zu laut sei. „Die Skaterbahn wäre nie genehmigt worden, wenn es gegenüber schon Wohnungen gegeben hätte“, sagte der CDU-Politiker. „Messungen haben Lärmwerte ergeben, die wir als Behörde nicht zulassen dürfen.“

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