Berlin Der Vorstandsvorsitzende des Axel Springer-Konzerns, Mathias Döpfner, hat eine Beziehung des ehemaligen „Bild“-Chefredakteurs Julian Reichelt mit einer ihm unterstellten Mitarbeiterin bestätigt. Reichelt habe dies zunächst bestritten, sagte Döpfner am Mittwoch in einer Videobotschaft. Vorgestern habe das Unternehmen dann „zwei sehr glaubwürdige Zeugenberichte bekommen, die dargelegt haben, dass es diese Beziehung sehr wohl gibt“. Reichelt sei daraufhin erneut konfrontiert worden, woraufhin er die Beziehung eingeräumt habe.

„Und damit war klar: Erstens, er hat aus den Fällen von damals nichts gelernt. Zweites, er hat uns nicht die Wahrheit gesagt“, sagte Döpfner. Der Axel Springer-Konzern hatte Reichelt am Montag mit sofortiger Wirkung von dessen Aufgaben entbunden. Als Grund wurden neue Erkenntnisse über das aktuelle Verhalten Reichelts in Folge von Medienrecherchen genannt.

Vorwürfe des Machtmissbrauchs gegen den 41 Jahre alten Reichelt standen seit Anfang März im Raum. Damals hatte der „Spiegel“ berichtet, dass rund ein halbes Dutzend Mitarbeiterinnen dem Medienhaus Vorfälle aus den vergangenen Jahren angezeigt hätte. Nach der Veröffentlichung der Anschuldigungen wurde Reichelt auf eigenen Wunsch freigestellt, das Unternehmen leitete eine Compliance-Untersuchung zur Prüfung der Vorwürfe ein. Ende März kehrte Reichelt an seinen Arbeitsplatz zurück.

Zur Begründung hieß es, der Vorstand des Medienkonzerns sehe es trotz bei der Untersuchung festgestellter Fehler in der Amts- und Personalführung als nicht gerechtfertigt an, Reichelt von seinem Posten abzuberufen. In seiner Videobotschaft betonte Döpfner, Machtmissbrauch sei kein Problem im ganzen Springer-Konzern. „Es gibt dieses Problem bei ‘Bild’“, sagte er. Deswegen müsse das Unternehmen dort „sehr schnell und noch viel grundlegender an der Modernisierung und Veränderung unserer Kultur im Sinne von Respekt arbeiten“.

Dies gelte aber nicht für die große Mehrheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Axel Springer. Döpfner rief zudem alle von Machtmissbrauch Betroffenen auf, „sich zu melden, offen zu sprechen, keine Angst zu haben“.

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