Altenbeken /Dortmund Eine Rotte Wildschweine flitzt durchs Bild. Behandschuhte Finger schieben Patronen in einen Gewehrlauf. Es kracht ein Schuss. Rouven Kreienmeier ist auf Jagd. Und daran lässt er im Netz Tausende Follower teilhaben. Fast 13 000 haben seinen Youtube-Kanal „Jagen NRW“ abonniert oder folgen ihm bei Instagram. Der 26-Jährige hat es nicht nur auf Rehe und Frischlinge abgesehen, in seinem Heimatrevier im Eggegebirge bei Paderborn jagt er auch den perfekten Bildern hinterher, die seine Leidenschaft repräsentieren sollen: der Blick eines Rehs direkt in seine Kamera, Drohnenflüge über wolkenverhangene Baumwipfel, das erlegte Tier im Herbstlaub.

„Ich will die Jagd zeigen, wie sie ist“, sagt Kreienmeier. Ein Satz, der immer wieder fällt, spricht man mit Mitstreitern der inzwischen regen Jagdbloggerszene. Ab diesem Dienstag treffen etliche Vertreter dieser jungen Jägergeneration auf Europas größter Jagdmesse zusammen: Die „Jagd und Hund“ in Dortmund hat den internetaffinen Jagdbotschaftern dort ein eigenes „Social Media Revier“ eingerichtet.

Den Themen Wild, Wald und Waidmannsheil widmen sich längst etliche Instagram- und Facebook-Accounts sowie Youtube-Kanäle: Jägerinnen mit geröteten Wangen zeigen dort, dass das Hobby keine Männerdomäne ist. Kernige Jungs zeigen im Tutorial, wie man ein Stück Wild zerlegt. Mit fast 100 000 Followern betreiben die „Hunter Brothers“ aus Mecklenburg Vorpommern den wohl erfolgreichsten deutschen Youtube-Kanal für Jagdfilme. Der Renner sind etwa ihre Clips über „Weizenschweine“: Dabei pirschen sie durch Weizenfelder und erlegen Schwarzwild – drei Millionen Aufrufe gab’s in einem Jahr.

Wer im Netz eine Zielgruppe erreicht, wird auch für Marken interessant. Viele mittelständische Unternehmen für Ausrüstung oder Jägermode seien gerade erst dabei, das Netz als Werbeplattform zu erschließen, sagt Lars Kruse. Er ist Inhaber der Agentur Outfluence, die Unternehmen aus dem Outdoor-Bereich mit passenden Influencern zusammenbringt – ein Teil davon sind Jäger. Die jagende Szene sei klein, aber in ihrer Wirkung sehr punktgenau, sagt Kruse. Nämlich dort, wo junge Jagdneulinge ihre Erstausstattung brauchen.

Und doch gibt es gewaltige Unterschiede, wenn man als Modequeen Lippenstifte anpreist oder als Jungjäger für Munition wirbt: Man kann anecken mit dem, was man tut: „Jagd ist immer auch ein heikles Thema“, sagt Kruse. Tote Tiere, Waffeneinsatz – all das mache Jäger zum regelmäßig attackierten Ziel der Hass- und Schmähkommentare von Jagdgegnern. Es komme sehr darauf an, drastische Bilder zu meiden.

Für Kreienmeier ist es kein Tabu, zu zeigen, was passiert: Der Mensch tötet ein Tier. „Aber mit höchster Professionalität, ethisch korrekt und gesetzeskonform und immer mit Kontext“, sagt er. „Jagd hat in unserer Kulturlandschaft einen Zweck, das muss ich auch erklären“, sagt er: Wildbestände eindämmen, Tiere verwerten zum Beispiel.

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