Celle Eine an den Händen gefesselte junge Frau ist in Celle entdeckt worden. Die 18-Jährige wurde möglicherweise zuvor entführt. Die aus dem nur wenige Kilometer entfernten Hambühren stammende Frau sei am Mittwochabend auf eine Straße gelaufen, um auf sich aufmerksam zu machen, sagte Polizeisprecher Thorsten Wallheinke am Donnerstag. Eine Autofahrerin hielt daraufhin an und rief die Polizei, die noch bis in die Nacht ermittelte.

Aus politischen Kreisen in Hannover hieß es, dass es sich bei der 18-Jährigen um eine Frau handeln soll, die von Anwohnern in Hambühren für rund 150 Straftaten verantwortlich gemacht wird, darunter mehrere Brände und zahlreiche Reifenstechereien.

In insgesamt zwölf Fällen habe die Staatsanwaltschaft Anklage gegen die 18-Jährige erhoben, berichtete die „Cellesche Zeitung“. Dazu gehörten demnach Sachbeschädigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Das Amtsgericht Celle habe ein psychologisches Gutachten in Auftrag gegeben, dessen Ergebnis bisher nicht vorliege. Die Hauptverhandlung sei für den 8. Dezember anberaumt worden.

Am Nachmittag bestätigten Anklagebehörde und Polizei, dass gegen die Frau in einer Vielzahl von Fällen wegen Sachbeschädigung an parkenden Kraftfahrzeugen, Diebstahls von Autokennzeichen und mehreren Brandstiftungen in Hambühren ermittelt wird. Die Ermittlungen zu diesen Fällen seien aber noch nicht abgeschlossen.

Die 18-Jährige habe äußerlich keine Verletzungen, werde aber medizinisch betreut, sagte Wallheinke. „Es gibt Verdachtsmomente, die auf eine Freiheitsberaubung am Dienstagabend schließen lassen.“ Weitere Einzelheiten wollte er aus ermittlungstaktischen Gründen zunächst nicht preisgeben. „Die Hintergründe liegen noch völlig im Unklaren und sind Gegenstand der laufenden Ermittlungen“, betonte er. „Die Kollegen arbeiten unter Hochdruck.“ Auch ob möglicherweise Selbstjustiz hinter dem Vorfall stecke, sei noch völlig offen.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Thomas Adasch aus Hambühren hatte sich bereits im August wegen der Serie von Sachbeschädigungen mit einer Kleinen Anfrage an die Landesregierung gewandt. Immer mehr Hambührener zweifelten am Rechtsstaat, warnte er damals. Anschließend startete er eine Unterschriftenaktion. Polizeisprecher Wallheinke sagte damals der „Celleschen Zeitung“, man könne aus Sicht der Polizei keine Verbindung zwischen den Bränden und den Sachbeschädigungen ziehen.

„Ich habe volles Vertrauen in unsere Polizei“, sagte Adasch am Donnerstag. „Die Kräfte vor Ort ermitteln derzeit in alle denkbaren Richtungen, um schnellstmöglich Licht in das Dunkel dieses mysteriösen Falles zu bringen.“ Unverändert bestehe aus seiner Sicht dringender Handlungsbedarf von Justiz und Jugendbehörde.

Polizeibeamte hatten die damals 17-Jährige bereits im März in Hambühren ertappt, als sie Nummernschilder von Autos abschraubte.

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