Ostfriesland Immer wenn ich sehe, wie der Herbstwind die Bäume kämmt und sie von welken Blättern befreit, denke ich: Du müsstest auch mal wieder dein Büro ausmisten.

Bei dem Gedanken bleibt es meist. Ich bin ja nicht der Nordwestwind. Aber im Frühling war Bettina wild entschlossen. Sie bestellte uns einen Container.

Wir erfuhren, dass man besser einen Container mit Deckel nimmt, wenn man nicht möchte, dass alte Kontoauszüge in den Hecken der Umgebung flattern.

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Vor knapp zwanzig Jahren sind wir nach Ostfriesland gezogen. Da sammelt sich mit der Zeit in einem Schriftstellerhaushalt so einiges Papier an.

Nicht alles braucht man wirklich, aber von vielem will man sich auch nicht trennen. Rührende Leserbriefe. „Ihre Romane haben mir über eine schwere Zeit hinweggeholfen…“ Nein, so etwas wirft man nicht weg. Selbstgebastelte Literaturpreise von Schulklassen auch nicht. Nun stand aber fordernd der große Müllcontainer vor der Tür. Von Steuerunterlagen aus dem letzten Jahrtausend konnte ich mich leicht trennen. Aber ich musste praktisch jedes Blatt Papier in die Hand nehmen und anschauen, dann erst konnte ich eine Entscheidung fällen. Das dauert und es erschöpft.

Inzwischen nutzten die ersten Nachbarn unseren Container, um lästige Dinge zu entsorgen. Ganz ohne unser Zutun füllte sich der Container. Nun, er war groß genug.

Was macht man eigentlich mit Video oder Hörkassetten, wenn es gar keine Abspielgeräte mehr gibt? Ich fand missglückte Romananfänge und Erzählungen, die endeten, ohne einen Schluss zu haben. Plötzlich hatte ich Ideen, wie die Geschichten weitergeschrieben oder verbessert werden könnten.

Ich wollte gleich an den Text oder es wenigstens Bettina erzählen, aber die saß zwischen hunderten von Kinderbriefen und mit Buntstiften gemalten Bildern. Einige zeigten sie als Sängerin mit Gitti, ihrer Gitarre, andere als Piratenkönigin mit Krummsäbel. Ich gesellte mich zu ihr und wir schwelgten auf dem Boden sitzend in Erinnerungen. Fotos von Auftritten entführten uns in glückliche Momente. Plötzlich hörten wir Musik und Lachen, wir waren kurz davor, uns vor unserem imaginären Publikum zu verbeugen und für den Applaus zu bedanken. Erinnerungen wurden lebendig. Gerade noch wollten wir wegwerfen und ausmisten, jetzt rahmten wir schon ein und sortierten neu. Bei einigen Stücken war echt die Frage, werfen wir es weg oder hängen wir es uns an die Wand?

Zum Glück konnte ich ein paar Freunde anrufen, die auch noch Sachen loswerden wollten. Der Container musste ja gefüttert werden.

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