Norden Er ist zwar nicht das Herzstück der Kläranlage in Norden – die könnte auch ohne ihn funktionieren –, aber doch ein erheblicher Kostenreduzierer: Vor zwei Wochen ist der neue Faulturm auf der Anlage in Betrieb gegangen – nach sechs Jahren Planungs- und weiteren zwei Jahren Bauzeit. Nachdem die Stadt noch 2008 Geld in die Sanierung des bisherigen, aus dem Jahr 1960 stammenden Faulbehälters gesteckt hatte, zeigte sich nur fünf Jahre später, dass die Dicke des Betons des rund 1600 Kubikmeter umfassenden Bauwerks den Belastungen nicht mehr stand hält. Es bildeten sich Risse, das Dach musste abgestützt werden.

Das Neueste vom Neuen: Norden hat rund 8,5 Millionen Euro in den Neubau des Klärwerks gesteckt. Bild: Elisabeth Ahrends

Erneuerung ab 2013 unumgänglich

Klärwerk Norden

Große Teile des Norder Klärwerks sind alt, sehr alt sogar, stammen sie doch aus den 1960er-Jahren. So auch der bisherige Faulturm.

Der hatte in den zurückliegenden Jahrzehnten zwar gute Arbeit geleistet, nach einer Sanierung 2008 hielt das Bauwerk aber der steigenden Belastung nicht mehr Stand.

Nachdem sich sieben Ingenieurbüros um das Projekt Klärwerksneubau beworben hatten, war es schließlich Büro Nummer acht, die Ingenieurgesellschaft Dr. Knollmann aus Hannover, das mit seinem Konzept überzeugte

Im ersten Bauabschnitt sind dabei seit 2019 ein neuer Faulturm, Nacheindicker, ein Gasbehälter und ein Betriebsgebäude, in dem auch das Blockheizkraftwerk untergebracht ist, entstanden.

Damit ist der erste Bauabschnitt abgeschlossen, es ist aber noch geplant, auch die übrigen Bereiche des Klärwerks zu erneuern beziehungsweise zu erweitern. Dabei sollen neue Vorklärbecken die alten ersetzen, das Einlaufgebäude erneuert werden und die zwei Belebungs- und Nachklärbecken um jeweils ein drittes erweitert werden. Klärwerksleiter Holger Lind rechnet jedoch frühestens 2023 mit einem Baustart.

2013 war klar, dass der Faulturm erneuert oder eine Kostensteigerung von rund einer Million Euro pro Jahr für die Entsorgung des Rohschlamms in Kauf genommen werden muss, wie Klärwerksleiter Holger Lind im Gespräch erklärte. Die Politik entschied sich für den Neubau. Dabei sollte allerdings nicht nur der Faulturm erneuert, sondern auch ein seit 2008 von den Klärwerksmitarbeitern vorgeschlagenes Blockheizkraftwerk entstehen – um das bei der Faulung entstehende Methangas als Energiequelle zu nutzen.

Die erforderlichen Verträglichkeitsprüfungen sowie der notwendige Bebauungsplan ließen jedoch so lange auf sich warten, dass die ursprünglich veranschlagten Kosten von rund 5,2 Millionen Euro auf die aktuelle Summe von 8,5 Millionen Euro anstiegen. Erst im Juli 2019 – und damit zwei Jahre später als ursprünglich geplant – fiel schließlich der Startschuss für das Großprojekt, bei dem neben einem Faulturm und dem Blockheizkraftwerk auch der zur Gasgewinnung notwendige Gasbehälter sowie ein neuer Nacheindicker als Zwischenlager entstanden.

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Puddingboden eine statische Herausforderung

Der puddingartige Boden auf dem Klärwerksgelände unweit des Norder Tiefs stellte im Herbst 2019 die nächste Hürde dar. Nachdem bereits über 100 Bohrpfähle zur Gründung des Bauwerks in den Boden eingelassen worden waren, stellte der Statiker die Tragfähigkeit in Frage, weshalb noch einmal 19 weitere Pfähle gesetzt werden mussten. „Danach lief es dann aber rund“, sagte Lind. Und so konnte am 14. Oktober endlich mit dem langsamen Aufheizen des Faulturms begonnen werden. Seit rund einer Woche wird nun der Faulschlamm aus dem alten Turm über unterirdische Rohre in den neuen gepumpt.

Zu klein, alt und marode: Der alte Faulturm von 1960 hat ausgedient und wird künftig nur noch als Notbehälter dienen. Bild: Elisabeth Ahrends

Reduzierung des Schlamms um die Hälfte

Dort soll er künftig von den Bakterien, die bei 37 Grad am effektivsten arbeiten, 25 Tage ausfaulen und so um mehr als die Hälfte reduziert werden. „Nach einem Dreivierteljahr können wir sagen, wie gut der neue Faulturm arbeitet“, sagt Lind. Er ist aber schon jetzt sicher, dass nicht nur die rund 2500 Tonnen Schlamm, die jährlich von der Anlage abtransportiert und zur Verbrennung gebracht werden, reduziert werden können, sondern auch, dass die Anlage mindestens 80 Prozent der benötigten Energie durch das neue Blockheizkraftwerk selbst produzieren kann.

Elisabeth Ahrends Redakteurin / Redaktion Norden
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