Norden Einst war es die Adresse der hohen Bürgervertreter Nordens, zuletzt lag es 20 Jahre lang im Dornröschenschlaf und erwacht nun zu neuem Leben: Die Rede ist von einem der ältesten Häuser der Stadt Norden. Am Markt 46 findet sich das auf das Jahr 1544 zurückgehende Gebäude, das seit nunmehr neun Jahren aufwendig restauriert wird. Noch in diesem Jahr soll es fertiggestellt sein, hofft der Norder Investor Gustav Claashen. Insgesamt sechs Wohnungen entstehen im Inneren.

Von altem Fleisch und Gemüse

„Als ich vor Jahren zum ersten Mal im Keller war, stand der noch voll mit Regalen, auf denen Einmachgläser aufgereiht waren“, erinnert er sich an seinen ersten Besuch des historischen Gemäuers. Fleisch und Gemüse ordentlich eingekocht hatten zuvor höchstwahrscheinlich die beiden letzten Bewohnerinnen der Familie Goldenstein, die vor rund zwei Jahrzehnten gestorben sind. Während Claashen die alten Einkochgläser entsorgen musste, baute er das Haus vom Keller bis zum Dach Stück für Stück nach altem Vorbild wieder auf.

War einst die Adresse der hohen Bürgervertreter Nordens: das Haus Am Markt 46. Bild: Ahrends

„Es hat allein schon zwei Jahre gedauert, die Steine einzeln mit der Bürste zu schrubben.“ Vom ursprünglichen Baumaterial weggeworfen wurde nichts. Im Gegenteil: In enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz wurden alte Stuckdecken restauriert, die Kerzennischen wieder zum Vorschein gebracht und die Balken, Bodenbretter und Fensterbänke aufgearbeitet. Um genauere Rückschlüsse auf das Alter des Gebäudes ziehen zu können, wurden die alten Eichenbalken sogar einer dendrochronologischen Untersuchung unterzogen, um anhand der Baumringe auf das Fälldatum der Bäume schließen zu können.

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Prunk und der König

Doch nicht nur diese geben Aufschluss über die Geschichte des alten Giebelhauses: Die Zisterne im Garten ist für Claashen ebenfalls ein stummer Zeuge der Vergangenheit. „Die ist mit einem Kappengewölbe ausgestattet. Das ist ein Zeichen dafür, dass hier reiche Leute gewohnt haben müssen“, so seine Mutmaßung. Einer von ihnen war der Bürgermeister Hillern Taaks, der sein Amt von 1853 bis 1886 innehatte. Ihm ist der seitliche Anbau des Gebäudes zu verdanken: „Der hatte eine adelige Frau und für sie hat er die beiden Prunkräume angebaut“, sagt Claashen, der aber noch einen anderen Grund für den Bau der repräsentativen Räume kennt. Auf dem Weg in sein auserwähltes Feriendomizil Norderney soll König Georg V. von Hannover in den Sommermonaten regelmäßig Am Markt 46 vorbeigekommen sein, weshalb Taaks mit dem Magistrat des Königs einen Zwischenstopp in Norden eingefädelt haben soll. Und weil sich rund um das alte Gebäude so viele Geschichten ranken, wird in einigen Wochen ein Buch dazu erscheinen, das die Norderin Gretje Schreiber verfasst hat.

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