Aurich Der Klimawandel sorgt für eine Schneckenplage: Inzwischen hat sogar eine neue Schneckenart die Stadt Aurich erobert. Umweltschützer Rolf Runge und einige Bürger haben bereits einzelne Vertreter der Gefleckten Weinbergschnecke entdeckt. Sie sind eigentlich eher am Mittelmeer und in Westeuropa zu Hause, sagt der Leiter des Regionalverbandes im Bund für Umwelt- und Naturschutz. Ältere Artgenossen fühlen sich bereits seit dem 19. Jahrhundert vor allem im Bereich des ehemaligen Julianenparks, im Bereich der Graf-Ulrich-Straße, wohl.

Wie die neue Schneckenart nach Ostfriesland gekommen sein könnte? Hier muss Runge nicht lange überlegen: „Zu Fuß, auch wenn es etwas länger dauert. Oder eben in importiertem Gemüse als Eier oder kleine Schnecken.“ In Aurich treffen die Exoten auf Verwandte, die schon seit Jahrhunderten in Aurich zu Hause sind. „Die Franzosen setzten sie einst aus“, sagt Runge. Denn bei den Franzosen, die in Ostfriesland von 1811 bis 1814 das Sagen hatten, gilt die gemeine Weinbergschnecke schon immer als Delikatesse. Sie gehört zur französischen Küche dazu und wird dort tonnenweise verzehrt, am liebsten in Knoblauch-Kräuterbutter.

Schnecken haben Aurich im Griff

Und auch sonst haben Schnecken das Stadtgebiet und den weiteren Landkreis Aurich in diesem Jahr besonders im Griff, stürzen sich auf Gemüse oder Blumen. „Sie sind überall. Das ist schon sehr auffällig. Man kann keinen Schritt tun, ohne dass man drauftritt“, sagte Runge. Er werde auch seit vielen Wochen immer wieder auf die schleimigen Weichtiere angesprochen. Als Grund für die Ausbreitung sieht Runge den Klimawandel, weil die Schnecken durch die Wärme und feuchte Witterung inzwischen ideale Lebensbedingungen finden.

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Die rotbraune Wegschnecke taucht zur Zeit überall auf. Sie breitet sich durch den Klimawandel auch bei uns ganz schnell aus. Bild: ggm

Auffällig ist vor allem die rostbraune Spanische Wegschnecke. Sie gehört eigentlich auch nicht in unsere Breiten, kriecht den Ostfriesen aber zur Zeit ebenfalls allerorten über den Weg. Sie ist schon lange hier beheimatet und breitet sich immer mehr aus, weil sie keine natürlichen Fressfeinde hat. „Sie schmeckt so unangenehm schleimig, dass sich niemand herantraut“, sagt Runge.

Wie wird man die Schnecken am besten los?

Wie man den ungeliebten Schleimern am effektvollsten einen Riegel vorschiebt? „Mit einem Spaten zweiteilen“, sagt Runge, „dann verenden sie schnell“, rät er. Die Schnecken zu sammeln, um sie beispielsweise in Gewässern zu entsorgen, sei dagegen keine gute Idee, so der Umweltschützer. „Sie kriechen mit der Zeit wieder an Land. Und man hat sie damit nur noch weiter in der Landschaft verteilt, wo sie sich ausbreiten können.“ Auch von Giftködern, wie dem Schneckenkorn, rät Runge ab, weil damit viele angesehene Schneckenarten getötet werden, die sich beispielsweise nur an welken Blättern laben. Immerhin gebe es auch unter den Schnecken durchaus bedrohte Arten, beispielsweise bei den im Wasser lebende Arten.

Rolf Runge vom BUND Ostfriesland.

Weltweit gibt es rund 100.000 Schneckenarten, in Deutschland sind es 260 Arten. Viele Schnecken dagegen haben es dabei nicht so leicht wie die Spanische Wegschnecke, die von Freßfeinden verschmäht wird. Sie gelten als Leckerbissen für natürliche Feinde, wie die „Drosselschmiede“, die es auf Gehäuseschnecken abgesehen haben. Sie schnappen sich die Schnecken, lassen sie aus großer Höhe auf Steine fallen, um das Gehäuse zu knacken. „So kommen sie an das schmackhafte Innere“, sagt Runge. Aber auch Laufenten oder Igel finden Schnecken schmackhaft.

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