Aurich Ein Fall von schwerer räuberischer Erpressung führte die Prozessbeteiligten im Berufungsverfahren vor dem Landgericht Aurich weit in die Vergangenheit zurück. Denn die Tat lag mehr als 25 Jahre zurück. Das hinderte das Gericht aber nicht daran, dem Ansinnen der Staatsanwaltschaft zu folgen und den erstinstanzlichen Freispruch des Amtsgerichts Norden aufzuheben. Der Angeklagten wurde zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten zu verurteilen. Vor allem der Angeklagte, ein 52-jähriger Waliser, und die Zeugen mussten sich gedanklich in das Jahr 1995 begeben.

Der Angeklagte und das damalige Opfer, eine Großheiderin, wollten im Oktober 1995 gemeinsam mit der damals zwölfjährigen Schwester der Frau eigentlich nach England fliegen. Der Angeklagte hatte die Tickets gekauft. „Er hatte uns eingeladen“, erzählte die Frau. Doch aus dem Trip auf die Insel wurde nichts. „Ich habe die Autobahnabfahrt zum Flughafen verpasst und mich verfahren“, gestand die Großheiderin.

Zwei Monate später verlangte er plötzlich 560 D-Mark für die Flugtickets. Damit hatte die Frau kein Problem. Aber sie bekam es mit der Angst, als der Angeklagte das Geld sofort ausgehändigt bekommen wollte, einen Gegenstand aus der Jacke zog und in seinen Schoß legte. „Für mich war es eine Schusswaffe“, sagte die Zeugin. Sie konnte diese Waffe aber nicht beschreiben.

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Das Gericht konnte am Ende nicht feststellen, dass der Angeklagte tatsächlich mit einer Waffe hantiert hatte. „Er hat einen Gegenstand aus der Jacke geholt als Mittel, eine Drohgebärde aufzubauen“, meinte Richterin Dorothee Bröker. Eine Schusswaffe wurde beim Angeklagten nie gefunden.

Doch die Frau hatte diesen Gegenstand als Waffe wahrgenommen und war in großer Angst in ihre Bank in Großheide gegangen, um das Geld abzuheben. Die traumatischen Erlebnisse waren für die Zeugin aber noch nicht vorbei: In der Nacht klingelte der Angeklagte bei ihr. „Ich war betrunken. Ich wollte mich entschuldigen und das Geld zurückgeben“, beteuerte er. Doch stattdessen nahm er ein großes Messer aus der Küche und fuchtelte damit herum. Die Frau floh zu einem Nachbarn. Dieser rief die Polizei. Die Beamten traten dem Angeklagten schließlich mit gezückten Dienstwaffen gegenüber und nahmen ihn damals zur Ausnüchterung in Gewahrsam.

Wegen der räuberischen Erpressung wurde der Angeklagte erst im September 2019 festgenommen. Bis dahin war er zwischen Wales, Deutschland und verschiedenen europäischen Ländern hin- und hergependelt. Bei diversen Einreisen hatte er am Flughafen seine Heimatadresse angeben müssen. Eine Vorladung zur Beschuldigten-Vernehmung konnte ihm aber nie zugestellt werden, weil die Adresse falsch entziffert wurde. Und so dauerte es fast ein Vierteljahrhundert, bis die Justiz zur Tat schreiten konnte.

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