Pyeongchang (dpa) - Felix Loch will nur noch heim zu seiner Familie. Ein endgültiger Abschied von Olympia wird seine geplante Abreise am Freitag aus Pyeongchang aber nicht bedeuten.

Nur wenige Stunden nach seinem folgenschweren Malheur in der kniffligen Eisrinne von Pyeongchang peilte der Ausnahmerodler neue sportliche Ziele an. "Mit 28 habe ich schon noch ein paar Jahre vor mir, da wird man mich in vier Jahren in Peking auf jeden Fall wieder sehen", sagte der Berchtesgadener.

Nach der bittersten Niederlage seiner Karriere zeigte Loch auch Größe. Bei minus 13 Grad bibberte er weit nach Mitternacht vor dem Deutschen Haus und nahm seinen mit Bronze gekrönten Teamkollegen Johannes Ludwig in Empfang. Da sie sich an der Bahn wegen einer Dopingkontrolle nicht mehr gesehen hatten, gratulierte Loch dem Thüringer herzlich: "Gehe jetzt hier rein, alle warten auf dich, dies wird dein Abend, genieße ihn." Sein langjähriger Teamkollege war überrascht und angetan. "Tolle Geste von Felix, dass er mich reingeholt hat", meinte Ludwig.

IOC-Chef Thomas Bach hatte noch im Olympic Sliding Centre mit Loch gesprochen und lobte dessen Haltung. "Er hat das wirklich großartig getragen. Natürlich war er enttäuscht, aber er hat das sehr sportlich genommen", sagte der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees der Deutschen Presse-Agentur. "Das Gespräch hat mich wirklich beeindruckt, wie er das genommen hat."

Bronze-Gewinner Ludwig hatte in dem verrückten Wettkampf in der Leaderbox ein Hin und Her der Gefühle erlebt. "Ich habe die Hände über den Kopf geschlagen und gedacht, Gold ist verloren", beschrieb er die Situation, als Loch wegen seines Patzers noch von Platz eins auf fünf abgestürzt war. "Erst Sekunden später hatte ich realisiert, dass es noch für Bronze gereicht hat."

Dass der 31-Jährige als Einzel-Bester nun auch im Teamwettbewerb antritt, ist für Loch selbstverständlich. "Das ist bei uns ganz normal, dass der Beste dann auch im Teamwettbewerb fährt. Ich freue mich natürlich für ihn. Eine gute Chance, Gold zu holen", sagte er.

Den Olympiasieg sicherte sich der bislang eher unbekannte 23-jährige David Gleirscher aus Österreich. Es war das erste olympische Rodel-Gold für die Alpenrepublik seit 50 Jahren. Silber ging an den US-Amerikaner Chris Mazdzer, der wie Gleirscher klarer Außenseiter war. "Ein großer Tag für den Rodelsport, weil es keine Materialschlacht war", sagte Ludwig, der als einer der wenigen Fahrer in allen vier Läufen gut durch die knifflige Kurve neun kam.

Alle anderen Favoriten patzten - auch Loch, der schon 2010 in Vancouver und 2014 in Sotschi triumphiert hatte. Zudem holte er vor vier Jahren auch im erstmals durchgeführten Teamwettbewerb Gold. Mit seinem insgesamt vierten Olympiasieg hätte er seinem Mentor Georg Hackl überholt. Dieses Ziel peilt er nun in vier Jahren erneut an.

Jetzt will Loch aber nur noch heim zu seiner schwangeren Frau Lisa und seinem 17 Monate alten Sohn Lorenz. "Mit Lisa habe ich gleich nach dem Rennen telefoniert, der kleine Lorenz bekommt das Ganze ja noch nicht so mit", sagte er.

Er war froh gewesen, dass sein Vater und Cheftrainer Norbert ihm im Zielauslauf Trost gab. Der 1,91 Meter große Athlet war wie ein Häufchen Elend zusammengesunken einige Sekunden lang auf seinem Schlitten sitzen geblieben, bis der Papa kam, niederkniete und seinen Arm um ihn legte. "Ich hab ihm schon was gesagt, dass bleibt aber unter uns", meinte Loch senior später im Deutschen Haus und betonte: "Menschen machen auch mal Fehler, und es war ein ganz gescheiter Fehler an dieser schwierigen Stelle."

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Pyeongchang 2018
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