Oldenburg Die Szene wird langsam ortstypisch. Vor dem Geschäft „Veggiemaid“ an der Gartenstraße halten Autos mit Kennzeichen entfernter Kommunen, es steigen fünf Menschen aus – und fahren wenig später mit vollen Einkaufstaschen wieder weg. Gründerin Stefanie Coors (31), die den Laden im Februar gegründet hat, kennt den Grund für weite Wege ihrer Kunden: „Der nächste Laden dieser Größenordnung mit rein veganem Angebot ist in Dortmund.“

Coors kommt aus dem pädagogischen Bereich und hat sich Anfang des Jahres beruflich neu orientiert. „Ich war in einem Hort beschäftigt – und die werden nach und nach von Ganztagsschulen ersetzt. Eine Zukunft in einer Krippe kann ich mir nicht vorstellen.“

Der Weg zu einem Laden, der nur Waren ohne jeden tierischen Inhaltsstoff vertreibt, basierte auf eigenen Erfahrungen: „Ich war jahrelang von Verdauungsstörungen geplagt – aber kein Arzt fand etwas.“ Dann riet ihr ein Freund, tierisches Eiweiß zu meiden. „Ich hab mir vorher nie Gedanken über Ernährung gemacht“, sagt Coors, „aber dass mein Unwohlsein schlagartig vorbei war, hat mich überzeugt“.

So sehr, dass die junge Frau mit ihrem Konzept eines veganen Ladens – dessen Wirtschaftsplan aufgrund der neuen Branche nicht auf Erfahrungen fußte – auch die Bank auf ihre Seite bekam. Das Ergebnis: „Im Februar fing ich mit 260 Artikeln an, inzwischen sind es 1700.“ Die meisten von regionalen Lieferanten. Ob das Wachstum so weitergeht, ist offen. Neben Reformhäusern haben neuerdings auch „normale“ Supermärkte vegane Waren gelistet, und es gibt die ersten großen Ketten veganer Märkte. Zuvor gab es gerade bei Reformhäusern Vorbehalte, weil noch nicht alle veganen Produkte – vorwiegend Käse-Alternativen – Bio-Qualität haben. Das ändert sich.

„Auch andere haben gemerkt, dass das Segment wächst“, sagt Coors. Jenseits der Debatten um den „Veggie-Day“ steige die Zahl jener, die auf tierische Produkte in der Nahrung verzichten. Die vielen Lebensmittelskandale seien der eine Grund, glaubt Coors: „Das Pony in der Lasagne war für viele der Wendepunkt“. Hinzu kämen – vor allem bei jüngeren Leuten – ethische Gründe: „Sie wollen mit Massentierhaltung keine Berührungspunkte mehr haben, auch nicht bei Milch oder Eiern.“ Ihr Fazit: „Die Zeit war einfach reif“. Sie selbst sei nicht missionarisch unterwegs, „aber wer fragt, bekommt Informationen“. Es gebe da eher manchen Kunden, der maliziös grinsend verkünde, „dass dies oder jenes vegane Produkt sehr gut zum Steak passt“.

Die Ideen gehen der jungen Frau nicht aus. Sie kreiert vegane Rezepte und bietet sie zum Verkosten an, macht Aktionen mit Gastronomen – und befüllt zurzeit Adventskalender mit veganen Süßigkeiten.

Thorsten Kuchta stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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