Oldenburg Als gestalterisches Element spielt Wasser im nach englischem Vorbild angelegten Schlossgarten eine bedeutende Rolle. Das weiß auch Reinhard Hövel, Leiter der Stabsstelle Niederschlagswasser-Management beim OOWV in Oldenburg, der sich in seiner Freizeit mit den geschichtlichen Hintergründen der Entwässerung beschäftigt.

17,1 Hektar ist der Schlossgarten groß, davon sind 2,7 Hektar Gewässerfläche. Vor 200 Jahren ist der Park (die NWZ  berichtete) eröffnet worden. Das Gelände war ursprünglich Überschwemmungsgebiet für die Hunte und stand regelmäßig unter Wasser. Bevor der Schlossgarten angelegt wurde, musste ein Meter Erdreich aufgeschüttet werden. Der Boden dafür kam aus Osternburg, weiß Hövel.

Klares Konzept für Park

Der Parkanlage lag ein klares Konzept zugrunde, das Hofgärtner Julius Friedrich Wilhelm Bosse (1788–1864) maßgeblich geprägt hat. 42 Jahre lang kümmerte er sich um die Gestaltung des Schlossgartens. Dazu gehörte auch, das System Hunte/ Schlossteich/Hausbäke zu verknüpfen. An zwei Stellen im Schlossgarten wird die Hausbäke, die unter anderem das Everstenmoor entwässert, zusätzlich gespeist mit Wasser aus der um etwa einen Meter höher gelegenen „alten Hunte“. Dies gewährleistet auch heute noch einen immer währenden Mindestwasserdurchfluss in der Hausbäke und einen Mindestwasserstand im Schlossteich; beides war gestalterisch gewünscht. Das Wasser plätschert auch heute noch fortwährend über kleine Wasserfälle, die im Winter bei länger andauerndem Frost vereisen und zauberhafte Gebilde aus Eis modellieren.

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Wasserbauer gefordert

Bei der Anlage des Schlossgartens waren zunächst die Wasserbauer gefordert. Somit waren ab 1806 zunächst die Militäringenieure von Herzog Peter Friedrich Ludwig unter der Führung von Ingenieur-Hauptmann Lasius im Einsatz. Zitat aus der aktuellen Jubiläumsschrift „Euer Garten ist die Welt“ von Wolfgang Henninger (Staatsarchiv): „Die Militäringenieure, die zugleich Vermessungsfachleute waren, konnten die u. a. wasserbau-technisch schwierigen Gegebenheiten südlich des Schlosses fachmännisch bewältigen und daran anschließend auch die kartographische Wiedergabe des Schlossgartens gewährleisten.“

Die relativ hohen Investitionssummen für die wasser- beziehungsweise erdbaulichen Arbeiten sind laut Hövel belegt durch archivierte Kostenaufstellungen und Rechnungen aus den Jahren 1806 bis 1810. Zwischen 1803 und 1805 erfolgte der Ankauf von Land entlang der Hunte in der Nähe des Schlosses. Dieses Gelände war, wie viele Teile des wassernahen Umlandes der Stadt, alljährlich Überflutungen und nicht selten den Deichbrüchen der Hunte ausgesetzt. Das vergleichsweise tief gelegene Land musste für die Anlage des Schlossgartens im Mittel bis zu drei Fuß (etwa ein Meter) aufgeschüttet werden. Darüber hinaus musste für eine ausreichende Entwässerung gesorgt werden. Über die großen Probleme mit dem hohen Wasserstand und der Geländeaufhöhung hat auch der spätere Hofgärtner Julius Bosse mehrfach berichtet.

Der Schlossteich als ein wesentliches Gestaltungselement des Schlossgartens war vorher ein Teil des Wallgrabensystems. Dieser Teil des Wallgrabensystems wurde auch „Poggenhaaren“ genannt.

Zu den ersten Arbeiten am Schlossgarten gehörten 1806 und 1807 die Neuanlage und Pflasterung der Straße nach Eversten, der heutigen Gartenstraße, und die damit verbundene Verlegung der Hausbäke. Diese floss bis dahin von Süden kommend als „Eversten Graben“ (oder auch „Moorbäke“ genannt) durch die Dobbenwiesen zur Haaren. Die Haaren trat zu dieser Zeit in der Nähe des Theaters an die Innenstadt heran und floss durch die Innenstadt (unter den heutigen Schlosshöfen) in Richtung Stau zur Hunte.

Die Hausbäke wurde 1806 und 1807 durch das Schlossgartengelände und im Anschluss parallel zur Gartenstraße verlegt, wo sie auch heute noch verläuft.

Mit der Einbeziehung der Hausbäke, des Schlossteiches und der Hunte (heute „alte Hunte“ oder „Mühlenhunte“) war das wichtige Element „Wasser“ in die Gartengestaltung einbezogen worden und prägte maßgeblich das Gelände.

Englisches Vorbild

Dies entsprach der Philosophie eines englischen Landschaftsparks, der hier entstehen sollte und gibt dem Garten seinen besonderen Charme. Auf 740 Metern Länge fließt die Hausbäke auch heute noch durch den Garten. Die Hausbäke entwässert in Oldenburg ein Einzugsgebiet von etwa 1100 Hektar und damit gut ein Zehntel der Gesamtfläche der Stadt Oldenburg (10 300 Hektar).

Sie hat damit eine große Bedeutung für die Stadtentwässerung. In ihr sammelt sich das Wasser aus insgesamt 20 Kilometer langen Regenwasserkanalleitungen.

Der Schlossteich ist einer von insgesamt sechs Teichen, die zur Hausbäke gehören. Alle Teiche sind mit ihrem Rückhaltevolumen für größere anfallende Wassermengen bei Starkregen ebenfalls von besonderer Bedeutung für die Stadtentwässerung.

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Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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