Von Reiner Kamer

OLDENBURG - Generation Internet wird erwachsen – behauptet zumindest die Ausstellung „My Own Private Reality“ (Meine eigene private Realität), die am Freitagabend im Edith-Ruß-Haus für Medienkunst in Oldenburg eröffnet wird. Wie Ernst ist die Lage?

„What ist global warming“ erscheint für wenige Sekunden auf der Wand in der oberen Etage der Ausstellungsräume, verschwindet, „wives pics“ taucht auf, verschwindet, wird durch die Zahlenfolge „152.53.167.185“ ersetzt. Der Projektor an der Decke spuckt in einer Art „Bewusstseinsstrom“ aus, was gerade im Internet in eine Suchmaschine getippt wird: Virtualität wird zur Realität.

Auch hier: Die Ikonographien der Web 2.0-Generation, des Mitmach-Web, zeigen die Bilder von Olia Lialina und Dragan Espenschied: Goldene Bewertungssterne, Schablonen von Personen oder Fenster der Suchmaschine Google. Der Weltraum-Hintergrund erinnert dabei nicht zufällig an Desktops der 90er-Jahre. Die Netzwelt ist schnelllebig.

Um das gute Karma der stressgeplagten Rechner sorgen sich Ute Hörner und Mathias Antlfinger: In unzähligen Wiederholungen lassen sie auf den Computern Mantren durchlaufen. Das Internet lässt schließlich kaum Zeit zum Verschnaufen.

Die Webwelt ist vernetzt. Und das nicht erst seit der zweiten Internetrevolution, in der soziale Netzwerke ihren Erfolgszug antraten. In einer entlarvenden Weiterentwicklung verkehrt Angie Waller mit myfrienemies.com den Sinn von Netzen in ihr Negativ: Menschen finden zusammen, weil sie Abneigungen gegen gleiche Personen hegen.

Per Blog hatte sich Marisa Olson beraten lassen, wie sie im „Deutschland sucht den Superstar“-Vorbild „American Idol“ Erfolg haben könnte. Weil der ihr in der Realität verwehrt blieb, inszenierte sie ihn per Video kurzerhand nach. Manipuliert sind auch die Liebesszenen, in denen Jillian Mcdonald den Schauspieler Billy Bob Thornton auf der Leinwand anhimmelt. Und das zeigt deutlich: Die Generation Internet wird vielleicht erwachsen. Das Spielen hat sie nicht verlernt.

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