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Oldenburg „Kein Applaus für Tierquälerei“ steht auf dem Plakat. „Artgerecht ist nur die Freiheit“ und „Ihr Leben ist kein Ponyhof“ auf zwei weiteren gleich daneben: Tierrechts-Aktivisten haben in Münster – dort gastiert der Zirkus Knie auf seiner Deutschlandtournee derzeit – gegen Programm und Tierhaltung des Zirkusunternehmens demonstriert. Dem sind solche Proteste wiederum nicht neu, die bunt aufgemalten Sprüche ebenso wenig. Bei zahlreichen Gastspielen – so in Nordhorn, Limburg, Hamburg oder auch Lemgo – sind mehr oder minder so organisierte Grüppchen vor Ort aktiv, halten gleiche, mindestens aber ähnliche Banner hoch. Zumeist stecken die weltweit agierenden Tierschutzvereine „Peta“ (People for the Ethical Treatment of Animals) und „Ariwa“ (Animal Rights Watch) dahinter.

Zwei Anschauungen stoßen da frontal aufeinander. Auf der einen Seite Tierschützer, die seit Jahren (bei zahlreichen Zirkussen mit Tierhaltung) den „Missbrauch in der Manege“ anprangern und Verstöße gegen das Tierschutzgesetz anzeigen, auf der anderen Seite das Familienunternehmen, das stete Kontrollen durch Veterinärbehörden und das „partnerschaftliche Verhältnis zwischen Tierlehrern, -pflegern und den Tieren“ hervorhebt.

„Sogenannte Tierrechtsorganisationen versuchen permanent die Tierhaltung in Zirkusbetrieben schlecht zu machen“, heißt es dazu in einer Stellungnahme des Zirkus’ auf dessen Internetseite, „zudem missbrauchen sie das Recht der Versammlungsfreiheit, um unserem Publikum vor der Vorstellung durch lautstarke Demonstrationen und falsche Informationen ein schlechtes Gewissen einzureden.“ Dass kein Tier „gezwungen wird, etwas zu machen“, alle Tiere „nicht der freien Wildbahn“ entstammen und man daran arbeite, ihnen „durch Neuerungen im Bereich der Tierstallungen ein noch luxuriöseres Leben zu bieten“, steht dort ebenso.

Ankunft am 27. April

Vom Zustand der Tiere und den Bedingungen können sich Oldenburger ab dem 28. April selbst überzeugen, tags zuvor schlägt der Zirkus auf dem Europaplatz an der Weser-Ems-Halle wie berichtet seine Zelte auf.

Neben den Vorstellungen gibt es auch Tierschauen – sie sind am Freitag, Samstag und Dienstag von 10 bis 13 Uhr und in den Vorstellungspausen zum Eintrittspreis von 4 Euro möglich.

Dem guten Dutzend Protestlern (bei einer vierstelligen Besucherzahl) scheinen solche Erklärungen aus genannten Gründen unerheblich. Dass es da im Austausch nicht immer charmant zugeht, zeigte sich in Münster – hier nutzten offenbar Trittbrettfahrer aus der politisch rechten Szene das Tableau, um gegen das Schächten zu protestieren und überdies gegen die Haltung von Tieren, die bei Charles Knie gar nicht zu finden sind. Auch wurden von Tierschützern Anzeigen gegen Zirkusmitarbeiter und sogar Besucher wegen Beleidigung erstattet, heißt es. Vandalismus – so durch Beschädigung der Veranstaltungsplakate, so durch Graffitis im Umfeld – wird indes von der Gegenseite vorgeworfen.

In Oldenburg erwartet der Zirkus weniger bis keine Proteste. „Dort war eigentlich immer alles ruhig“, so Pressesprecher Patrick Adolph, „jeder kann seine Meinung äußern, wie er möchte – aber wenn Zirkusbesucher beschimpft werden, ist das nicht mehr toll.“ Man hätte die Erfahrung gemacht, dass die Besucher nach einem Zirkus mit Tieren verlangten. Dass es auch anders laufen kann, zeigt das Beispiel Roncalli: Gründer und Zirkusdirektor Bernhard Paul bestätigte jetzt: „Wir werden ab nächstem Jahr völlig auf Tiere verzichten.“ – zum Wohle der Tiere, wie es heißt. Ein mögliches Modell für Charles Knie? „Absolut nein“, sagt Adolph, „wir sind ein traditioneller Tierzirkus für die ganze Familie und bleiben das auch“. Wider alle Proteste, zu denen man hier eine klare Meinung hat: „Nur wer mit Tieren arbeitet und lebt, kann deren Bedürfnisse auch verstehen. Diese Qualifikation hat keiner der Tierrechtsaktivisten.“

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Roncalli | PETA | Animal Rights Watch