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Oldenburg Tüte oder keine Tüte? Das ist die Frage, die gerade über jeder Verkaufstheke in der Stadt schwebt.

Die EU schreibt mit ihrer Plastiktüten-Richtlinie aus 2015 den Bürgern den Verbrauch vor: Ab 2020 maximal 90 und ab 2026 maximal 40 Plastiktüten pro Kopf und Jahr. Auch ohne die EU-Verordnung verbrauchen die Deutschen aktuell nur 71 Tüten, das liegt weit unter dem EU-Durchschnitt (200 Tüten).

Ziel des Handels ist eine freiwillige Selbstverpflichtung. Sie sieht vor, dass zwei Jahre nach Beginn dieser (vor der Tür stehenden) Vereinbarung 80 Prozent der Plastiktüten nicht mehr kostenlos abgegeben werden – geregelt durch den Handel. Sonst kommt die gesetzliche Bezahlpflicht für alle Tüten, drohen Umweltministerium und Koalition, die einen spürbaren („angemessenen“) Extra-Preis fordern, um die Kunden zum Umdenken zu zwingen.

Jan König, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordwest mit 1500 Unternehmen, sagt: „Wir sind optimistisch, dass es zeitnah losgehen kann. Inzwischen haben zahlreiche Unternehmen mit der Umsetzung begonnen oder die Plastiktüten durch alternative Tragetaschen ersetzt. Das zeigt, dass der stationäre Einzelhandel das Thema ernst nimmt und sich intensiv damit auseinandersetzt.“

König verweist allerdings auch auf den Unterschied zum Lebensmitteleinzelhandel, in dem der Tütenpreis längst eingeführt ist: „Grundsätzlich ist die Situation beim Bummel durch die Innenstadt eine andere. Auf den Lebensmitteleinkauf bereitet sich der Kunde vor, indem er zum Beispiel Tragekisten mitnimmt. In der Innenstadt wird viel öfter spontan eingekauft. Deshalb gehört es zum Kundenservice, eine Tragetasche für die Ware mitgeben zu können. Gerade bei Textilien soll die Ware ja auch trocken und sauber nach Hause gelangen.“

„Tüten sind Service“

Die Händler vor Ort regeln die Frage unterschiedlich. Hendrik Nölker von „Nölker & Nölker“ (Teehandel und Kaffeerösterei/Lange Straße sowie Damenmode/Mottenstraße) sagt: „Es ist nicht schlecht, das Thema anzugehen. Wir wollen nicht mehr Müll. Aber wir sind auch Fachhändler, die dem Kunden hochwertige Produkte anbieten. Da gehört die Tüte dazu.“

Nölker hat auf Papier umgestellt und gibt Plastiktüten nur bei größeren Einkäufen ab. „Ein großer Teil der Stammkunden hat schon selbst Tüten dabei. Aber wenn ein Kunde für 100 oder 200 Euro Mode oder für 80 Euro Tee kauft und ich nehme noch 20 Cent für die Tüte, dann steht das in keinem Verhältnis.“ Im Modegeschäft gibt es inzwischen einen großen, regelmäßig nutzbaren „Shopper“ aus recyceltem Material zum größeren Einkauf dazu.

Auch Saturn propagiert neuerdings große, wiederverwendbare Permanent-Tragetaschen, nur kostenpflichtig: Die Große für 1,50 Euro, normale Plastiktüten kosten je nach Größe 5 bis 30 Cent. Die Permanenttasche wird kostenlos ersetzt, wenn sie mal kaputt gehen sollte.

Im Männermodehaus Bruns sagt Lars Meyer: „Das Thema bewegt uns auch, aber es ist nicht einfach zu lösen. Wenn jemand 600 Euro für Anzug und Krawatte ausgegeben hat und ich sage: Jetzt gib’ mal 20 Cent für eine Tüte. Das passt nicht.“

„Internet nicht im Blick“

Auch andere Händler sehen eine Erzwingung über die Kosten skeptisch, zumal viele Kunden ohnehin schon eigene Taschen nutzten. Florian Isensee sagt: „Die Tüte ist eine Serviceleistung, die bei uns dazugehört, ich finde das im Fachgeschäft auch in Ordnung.“ Natürlich packe man auch in Papiertüten ein, „aber wenn es regnet, und das tut es in Oldenburg oft, dann ist das schlecht“. Zudem lohne sich je nach Papier- und Plastiktüte auch ein Vergleich der tatsächlichen Öko-Bilanz.

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Isensee ist der Ansicht, dass sich der stationäre Fach-Einzelhandel gerade auch über seinen Service vom Online-Handel abheben muss. Hier würden die Möglichkeiten der örtlichen Geschäfte weiter eingeschränkt, während der Internet-Handel mit seinen voluminösen Verpackungen gleichzeitig die EU offenbar nicht interessiere.

Die Buchhandlung „Bültmann & Gerriets“ verbindet Umwelt und Marketing und verkauft ihre Plastiktüten jetzt als Pfandtüten. Wer den Tütenpreis übertrieben findet, kann die Tüte beim nächsten Einkauf zurückgeben und die 10 Cent erstattet bekommen. Ulrich Bosselmann, kaufmännischer Abteilungsleiter, sagt: „Langfristig wollen wir uns von der Plastiktüte verabschieden. Die 10 Cent, die wir ab sofort erheben, sollen dem WWF zugute kommen.“ Alternativ gebe es für 50 Cent eine Baumwolltüte.

Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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