Osternburg Christa Elfers Blick ist konzentriert nach vorne gerichtet. Dahin, wo in einiger Entfernung die neun Kegel stehen und darauf warten, umgeworfen zu werden. Noch befindet sich die dafür vorgesehene Kugel in Elfers rechter Hand. Doch das ändert sich jetzt. Die 84-Jährige holt aus, geht in die Knie und setzt die Kugel schwungvoll auf der Kegelbahn auf. Sie rollt und trifft. Sieben Kegel fallen um.

Ein Gründungsmitglied

Für Christa Elfers ein erfolgreicher Wurf. Das sehen auch ihre Kegelschwestern so. Die zwölf Damen bilden die Gruppe die „Flotten Bienen“. Seit 30 Jahren gibt es den Club. Einmal im Monat treffen sie sich auf der Kegelbahn des Restaurants „Zum Goldenen Stern“. Als einziges Gründungsmitglied ist nur noch Liane Brand (85) dabei. „Viele sind schon verstorben. Aber wir freuen uns, dass vor allem im letzten Jahr neue Damen zu unserer Runde dazu gestoßen sind“, sagt Christa Elfers. Sie ist seit einigen Jahren Kegelmutter und bildet den Vorstand der Kegeldamen. Seit 22 Jahren ist Elfers Mitglied bei den „Flotten Bienen“.

Die Damen-Kegelgruppe trifft sich einmal im Monat. Auf diese Treffen fiebern viele der Frauen schon lange im Voraus hin. Auch Grete Stemshorn ist bei jedem Treffen dabei. Mit 92 Jahren ist sie das älteste Mitglied der „Flotten Bienen“. Die jüngste „Flotte Biene“ ist 71 Jahre alt. Bis vor einem Jahr hat Grete Stemshorn noch selbst aktiv gekegelt. „Mein Ziel ist es, dass ich das bald wieder schaffe. Man kann ja auch kegeln, wenn man im Rollstuhl sitzt“, sagt sie und lächelt zuversichtlich.

Obwohl es den „Flotten Bienen“ hauptsächlich um den Spaß und das gemeinsame Klönen geht, sind sie sich einig: „Ein bisschen Ehrgeiz gehört dazu.“ Deshalb schreibt Kassenwartin Margret Lassen akribisch auf, wer wie viele Kegel umwirft. Auch um Geldangelegenheiten kümmert sie sich. „Jede von uns hat zehn Wurf hintereinander. Wenn dabei vier Mal die gleiche Anzahl an Kegeln umfallen, müssen die andern fünf Cent zahlen“, erklärt Margret Lassen. Darauf sind alle Damen vorbereitet. Ohne Kleingeld kommt keine der „Flotten Bienen“ zu den Treffen.

Ebenfalls immer dabei sind die Maskottchen. Kleine schwarze gehäkelte Pudel. Jede besitzt einen. Bei den Kegeltreffen sind die Pudel immer dabei. Vergisst eine der Damen ihr Maskottchen, muss ebenfalls in die Kasse eingezahlt werden: 50 Cent fallen an. Das eingesammelte Geld wird allerdings gut genutzt. Für das traditionelle Weihnachtsessen zum Beispiel. Oder den nächsten Tagesausflug.

Manchmal ein Schnaps

Drei Stunden kegeln die „Flotten Bienen“ zusammen. Dazu gibt es stets Kaffee, Kuchen und ein gemeinsames Abendessen. Manchmal gibt es sogar einen Schnaps. „Uns gefällt es einfach, hier zusammen zu sein“, sagt Ilse Bark (80). Außerdem halte das regelmäßige Kegeln sie fit.

Sollte es mit dem Kegeln eines Tages doch nicht mehr so klappen, hat Christa Elfers bereits eine Lösung parat. „Ich habe ein Tischkegelspiel. Da lässt mal eine an einem Band befestigte Kugel durch die Luft schwingen und haut so die im Kreis angeordneten Kegel um“, sagt sie. Doch bisher kegeln die rüstigen Damen lieber richtig. „Wir heißen ja nicht umsonst die ,Flotten Bienen’“, erklärt Grete Stemshorn, während Ilse Bark ihre Kugel schwungvoll auf der Kegelbahn in Richtung Ziel schickt.

Svenja Gabriel-Jürgens Volontärin, 2. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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