OLDENBURG Die sibirische Kälte hat die Stadt im Griff: Dick vermummte Fahrradfahrer trotzen dem schneidenden Ostwind, auf den Wochenmärkten bibbern die Marktbeschicker ihrem Feierabend entgegen, Zeitungsträgern und Postboten frieren die klammen Finger ein. Wohl dem, der einen beheizten Arbeitsplatz hat.

Doch im Freien muss das Leben weitergehen: Kurz vor 1 Uhr steht Nacht für Nacht NWZ -Zustellerin Ingrid Klar auf und trinkt, bevor es nach draußen in die eisige Kälte geht, erst einmal heißen Kaffee. Seit elf Jahren verteilt sie die Zeitung in Bürgerfelde, fährt ein Stück mit dem Auto, steigt mit einem Packen Zeitung unterm Arm aus und macht sich zu Fuß auf den Weg zu den Briefkästen und Zeitungsboxen. Die Kälte zehrt an den Kräften, zu dick zieht sie sich aber nicht an: „Ich muss beweglich bleiben.“

Gegen 5.15 Uhr hat am Donnerstagmorgen Marktfrau Monika Blanke ihren Stand auf dem Pferdemarkt aufgebaut, verkauft Marmelade, Brot und selbst gebackene Kekse. „Gestern hab’ ich mir einen Thermoanzug aus dem Sonderangebot gekauft, der hilft gegen die Kälte und hält schön warm“, freut sie sich. Sie steht auf einer Styroporplatte und Eierpappen. „Das isoliert die Füße gegen die Kälte“, sagt sie. Ein gasbetriebener Heizstrahler sorgt zusätzlich für etwas Wärme. „Außerdem habe ich zwei Hosen und fünf Lagen Oberteile an“, erzählt sie schmunzelnd.

Beheizte Marktstände

Kollegin Melsene Knödel aus Schortens ist am Donnerstag wegen der Kälte später zum Markt gekommen als üblich – um 7.30 Uhr hat sie ihren Tisch aufgebaut, an dem sie Marmeladen, Honig und Senf verkauft. „Ich schwöre auf Schafwolle, die hält warm“, sagt sie. Viele Kollegen auf dem Wochenmarkt haben es vergleichsweise besser. Die Stände sind beheizt, oder der Verkauf geschieht aus einem Wagen heraus.

Hilfe für Obdachlose

Schwer zu leiden unter dem Dauerfrost haben die Obdachlosen. Im Tagesaufenthalt der Wohnungslosenhilfe der Diakonie an der Ehnernstraße finden die Menschen zumindest für einige Stunden eine warme Bleibe. 50 bis 60 Besucher kommen täglich in die Einrichtung.

Nach Auskunft von Reinhild Hagedorn vom Tagesaufenthalt werden auch winterfeste Schlafsäcke und Decken ausgegeben. Es gibt immer noch Menschen, sagt sie, die trotz der Kälte die städtische Gemeinschafsunterkunft am Sandweg meiden und draußen schlafen.

„Das Übernachtungsheim ist nicht voll belegt“, berichtet Swantje Engel vom Presseamt der Stadt. In den vergangenen Nächten hätten durchschnittlich 14 Menschen in der Unterkunft (40 Plätze) übernachtet. Wohnungslose, die nicht am Sandweg übernachten wollen, kommen nach Kenntnis der Verwaltung meist bei Bekannten unter.

Eine Milderung ist übrigens nicht in Sicht: Die Temperaturen bleiben auch tagsüber deutlich unter Null, nachts ist weiterhin mit strengem Frost zu rechnen.

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Die Feuerwehr warnt vor dem Betreten der zugefrorenen Gewässer. Die Eisstärke sollte mindestens zwölf bis 15 Zentimeter erreichen. Bei Messungen auf dem Dobbenteich ergaben sich am Donnerstagvormittag Stärken von nur vier bis fünf Zentimetern.

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Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
Rainer Dehmer Oldenburg / Redaktion Oldenburg
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