Oldenburg Mein Chef hält es für eine gute Idee, wenn ich zum Weltmilchtag eine Kuh melke. Ob die Kuh die Idee auch so gut findet, erfahre ich auf dem Milchhof von Familie Boltes im Freesenweg. „Och, unsere Kühe sind eigentlich ganz umgänglich“, räumt Meike Boltes, Ehefrau von Inhaber Dirk Boltes, meine Bedenken schon im Vorfeld aus.

Am Melkstand begrüßen mich ihre Töchter Tanja und Maren. Zweimal am Tag, morgens und nachmittags, werden die 120 Kühe hier gemolken. Zwölf Kühe fasst der Melkstand, natürlich arbeitet auch hier eigentlich eine Melkmaschine. Ich beobachte einen Melkgang aufmerksam und als die nächsten zwölf Rinderdamen hineinflanieren, kommt meine Bewährungsprobe. Maren stellt mir Nummer 86 vor und zeigt mir, wie mit einer fließenden Bewegung zwischen Daumen und Zeigefinger die Milch aus den Zitzen gestreift wird.

Nun bin ich dran. Ich nehme die Zitzen vorsichtig in die Hände und versuche, die fließende Bewegung von Daumen und Zeigefinger nachzumachen, ohne dabei an den Zitzen zu ziehen und dem Tier dadurch wehzutun. Doch irgendwie klappt es nicht. Kein Tropfen will das Euter auf meine Bemühungen hin verlassen. Einer weiteren Demonstration durch Maren folgt mein zweiter Versuch – und nach drei bis vier Fingerbewegungen fließt tatsächlich etwas Milch aus den Zitzen. Die Glückssträhne währt allerdings nicht lange und der Strom versiegt so plötzlich, wie er entstand. Nach ein paar Minuten hat der Kollege mit der Kamera mein Versagen als Agrarier ausreichend dokumentiert und ich will auch Nummer 86 nicht länger auf die Nerven gehen. Maren Boltes reicht mir das Melkzeug und ich setze der Kuh die Zitzenbecher an. Aus der Euterperspektive scheint Nummer 86 über diese Rückkehr zur Routine eher erleichtert.

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Von hier an geht auch für sie alles seinen gewohnten Gang. Die Maschine saugt und pumpt und zeigt das durchfließende Volumen an. Rund 15 Liter gibt eine Kuh auf dem Boltes-Hof im Schnitt bei so einem Melkgang, der zwischen fünf und acht Minuten dauert. „Von Hand zu melken ist aber auch wirklich harte Arbeit“, kommentiert Tanja Boltes mein größtenteils vergebliches Mühen professionell. „Da schafft man in acht Minuten vielleicht gerade einmal zwei Liter. Das wäre auch für uns eine Horrorvision, wenn hier einmal die Maschine ausfallen sollte und wir alle Kühe von Hand melken müssten.“ Tatsächlich habe sie schon von anderen Betrieben gehört, in denen Hitze und Trockenheit den Maschinen zugesetzt hätten.

Ein paar Minuten später ist auch dieser Melkgang beendet und auch meine Aufgabe ist – mehr schlecht als recht – erfüllt. Meine flüchtige Begegnung mit Nummer 86 wird mir aber noch lange in Erinnerung bleiben.

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