Oldenburg Sie hat sechs Ecken, ist durchsichtig und zeigt zwei stilisierte Kinder, eines blau, eines rot. Eine der bekanntesten Spendendosen Deutschlands feiert in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag: Seit 1979 stellt das Deutsche Kinderhilfswerk seine Dosen an den Ladentheken in der Republik auf und hofft auf das Kleingeld von Kundinnen und Kunden. Ob in Oldenburg auch schon 1979 gesammelt wurde, ist in den Büchern nicht überliefert: „Wir gehen aber davon aus, dass Oldenburg als Großstadt von Beginn an mit dabei war“, sagt Cornelia Teichmann, Leiterin Fundraising (zu Deutsch etwa Spendensammlung) des Kinderhilfswerks.

50 Prozent mehr

Derzeit stehen an 65 Stellen in Oldenburg und Umgebung Spendendosen. Davon allein 38 in der Stadt selbst. An einigen Standorten stehen gleichzeitig mehrere, wie beispielsweise bei einer großen Drogeriekette. „Allein im letzten Jahr konnten wir in dieser Region 259 volle Spendendosen austauschen und Spendeneinnahmen in Höhe von 9 636,51 Euro erzielen. Erfreulicherweise haben Spenderinnen und Spender aus Oldenburg und Umgebung im vergangenen Jahr etwa 50 Prozent mehr in unsere Spendendosen geworfen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres 2017“, sagt Teichmann.

Wer mit offenen Augen durch die Geschäfte der Innenstadt bummelt, findet allerdings nicht nur die sechseckige Ausführung, sondern entdeckt Sammelbehälter in allen erdenklichen Formen. Bei „Die Blumenbinder“ an der Heiligengeistraße können Kundinnen und Kunden ihr Wechselgeld etwa der Katzenhilfe Oldenburg zukommen lassen. „Wir sind hier alle sehr tierlieb“, sagt Mitarbeiterin Kathrin Hahn, „viele besitzen auch selbst Katzen oder einen Hund.“ Da war es keine Frage, die kleine Box auf der Theke aufzustellen. „Wenn sie voll ist, dann rufen wir an und das Geld wird abgeholt.“ In diesem Jahr konnte der Behälter schon einmal geleert werden.

Geld bleibt vor Ort

Wie in dem Blumengeschäft, wird auch an anderer Stelle wert darauf gelegt, Projekte vor Ort zu stärken. Katrin Kristen vom Schuhhaus Kassedy im Lambertihof sammelt beispielsweise für das Oldenburger Tierheim. Auch bei Kristen gibt es eine persönliche Beziehung zwischen Geschäftsinhaberin und Sammelzweck. Zwei Chihuahuas, Thor und Xena, wuseln durch den Laden. Für die Hundebesitzerin war klar, dass sie etwas für Tiere tun wollte. „Auch viele Kunden, die Hunde haben, werfen etwas in die Dose“, sagt Kristen. Ist diese voll, bringt Kristen das Geld persönlich zum Tierheim.

Auch der Outdoor-Ausrüster Biwak an der Haarenstraße hat eine direkte Beziehung zu der Spendendose, die im Geschäft aufgestellt ist: Das Geld kommt dem Bergwaldprojekt zugute und fördert den Erhalt der Wälder. „Zu uns kommen Menschen, die sich gern in der Natur aufhalten und sie genießen“, sagt Mitarbeiter Karim Swelam, „da möchte man auch den Wald so erhalten, wie man ihn kennt.“ Und Kollege Nico Geiß fügt hinzu: „Wenn wir Trinkgeld bekommen, dann wandert das zum Teil auch in eine unserer Dosen.“ Denn in dem Geschäft stehen gleich zwei: Eine für den Wald und eine für das Projekt Oldenburger Lastenfahrrad. „Da geht es natürlich auch um das Thema Nachhaltigkeit, was wir gern unterstützen.“

Siegel bietet Orientierung

Orientierung: Hinweise auf seriöse Organisationen kann das DZI-Spendensiegel bieten. Allerdings wird es nur an Institutionen vergeben, die eine Mindestspendenmenge einnehmen und die ihre Zertifizierung selbst bezahlen. Daher ist nicht jede Organisation, die das Siegel nicht trägt, unseriös.

Garantie: Trägt ein Spendenaufruf den DZI-Sternenkranz, so erklärt es die Verbraucherzentraler, ist garantiert, dass die Organisation eindeutig und sachlich wirbt, sparsam wirtschaftet und nachprüfbar ausweist, wie das Geld der Spender verwendet wird.

Mehr Infos: www.dzi.de

Hilfe für Ghana

Wofür und ob gesammelt wird, liegt rein in der Hand der Inhaberinnen und Inhaber. Kontrolliert wird dies – etwa seitens der Stadt – nicht: „Da die Spende freiwillig gezahlt werden kann und der Kunde nicht dazu verpflichtet wird, gibt es keine Einschränkung“, heißt es dazu von der Stadt.

Im Weltladen an der Kleine Kirchenstraße wird beispielsweise für ein Projekt in Ghana gesammelt, das der Verein auch selbst unterstützt. Ein Bildchen zeigt die Kinder, denen das Geld aus Oldenburg zufließt. „Wir unterstützen damit das Schulgeld“, erklärt Ladenkoordinatorin Walburga Hahn.

Das Deutsche Kinderhilfswerk fördert mit den eingenommenen Spenden Kinder- und Jugendprojekte in ganz Deutschland, die die Teilhabe von Kindern und Jugendlichen, unabhängig von deren Herkunft oder Aufenthaltsstatus, zum Grundsatz ihrer Arbeit gemacht haben. 37 Millionen Euro sind dafür seit 1979 zusammengekommen. Und das Geld kommt in der Region an, wie Teichmann berichtet: „Somit konnten wir im Jahr 2018 allein in Niedersachsen 33 Kinder- und Jugendprojekte mit insgesamt 125 000 Euro unterstützen.“ Gibt es auch einen Standort, der in Oldenburg besonders ergiebig ist? „Ja“, sagt Teichmann. Dieser sei bei einer großen Fastfood-Kette. Nachhalten lässt sich dies, da alle Dosen mit einem Barcode gekennzeichnet sind, die sie eindeutig identifizierbar machen, wenn das Geld eingezahlt wird.

Mareike Weberink Redakteurin / Redaktion Oldenburg
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