Oldenburg Das Auto hat einen hohen materiellen Wert – Liebhaber würden mehr als 1,5 Millionen Euro für den Mercedes-Benz 300 SL Coupé W198 Flügeltürer zahlen. Doch viel höher als dieser materielle Wert wiegt für den Oldenburger Unternehmer Thomas Rosier der ideelle. Vor drei Jahren hat der Besitzer des Oldenburger Unternehmens „Rosier Classic Sterne“ den Wagen gekauft. Nicht wissend, dass ihn sein Vater 1989 quasi als Anschubfinanzierung für das Unternehmen Mercedes Rosier verkauft hatte. Daran hängen viele Erinnerungen und Emotionen In der Nacht zu Samstag ist Thomas Rosier der Wagen gestohlen worden.

Der Unternehmer wollte den 300 SL beim AvD-Oldtimer-Grand-Prix am vergangenen Wochenende ausstellen. „Am Freitag stellte ich den Wagen gegen 21.30 Uhr vor dem Dorint-Hotel am Nürburgring ab – auf dem Parkplatz standen 50 weitere historische Fahrzeuge. Am nächsten Morgen war der 300 SL spurlos verschwunden – gestohlen“, berichtete Rosier am Sonntag in einem Telefonat mit der NWZ.

Viel Hoffnung, den Wagen zurückzubekommen, hat er allerdings nicht. „Durch einige Modifikationen ist mein 300 SL einzigartig auf der gesamten Welt. Das Auto fällt überall auf“, sagt er. Rosier befürchtet deshalb, dass die Diebe den Wagen in Einzelteilen verkaufen werden und durch den Handel mit den Ersatzteilen Geld machen. Das Auto ist auch sehr auffällig, weil es eine gekürzte Dachlinie hat. Dadurch wirkt es deutlich niedriger als ein normaler Flügeltürer.

Ein Wagen mit langer Geschichte

Die Serienproduktion begann im August 1954 im Werk Sindelfingen bei Stuttgart. 1999 wurde das Fahrzeug von Lesern der deutschen Oldtimer-Zeitschrift „Motor Klassik“ zum „Sportwagen des Jahrhunderts“ gewählt. Der 300 SL Flügeltürer (W198 I) wurde nur von 1954 bis 1957 gebaut, dann folgte der W 198II als Roadster. Vom W 198 I wurden schließlich 1400 Fahrzeuge gebaut, der überwiegende Teil von etwa 1100 Fahrzeugen wurde in die USA ausgeliefert.

Entwickelt und konstruiert wurde das Fahrzeug in einer für Mercedes erfolgreichen Rennsport-Ära. Innovativ war der von Rolf Uhlenhaut entwickelte Stahl-Gitterrohrrahmen. Auch zu seiner Zeit galt es als absolutes Luxus-Coupé, das mit einem Preis von 29 000 DM einer kleinen Käuferschicht vorbehalten war.

Thomas Rosiers 300 SL Coupé wurde am 25. April 1955 im Werk fertiggestellt und zum Transport in die USA gebracht. Im Besitz von Thomas Rosiers Vater blieb der Wagen von 1985 bis 1989, dann wurde er in Oklahoma zugelassen und gehörte im sonnigen Kalifornien einem Mann bei San Francisco. Eine umfangreiche Restaurierung erhielt der Wagen bei Scott Grundfor, einem laut Rosier der namhaftesten 300SL-Spezialisten in Kalifornien. Im Dezember 1994 erwarb ein Liebhaber klassischer Mercedes-Benz-Fahrzeuge aus Japan das Coupé und behielt es für die nächsten rund 21 Jahre in seinem Besitz. Dann verkaufte er es an Thomas Rosier.

1955 wurde sein Mercedes 300 SL Coupé  W 198 in Stuttgart gebaut – insgesamt übrigens nur 1400 Mal. Rosier schätzt, dass heute noch rund 90 Prozent der Wagen existieren. Und weiter: „Der Flügeltürer war Sinnbild für den Wirtschaftsaufschwung und das Wirtschaftswunder.“ Rosier hat den Diebstahl bei der Polizei angezeigt. Hinweise nimmt jede Dienststelle entgegen – also auch die Oldenburger unter Tel. 790 41 15.

Die Automobilhandelsgruppe Senger aus Rheine hatte zum 1. Januar 2016 die Oldenburger Unternehmensgruppe Rosier Nord mit elf Mercedes-Benz-Autohäusern im Nordwesten übernommen. Das Familienunternehmen Rosier blickt auf eine lange Geschichte zurück, die bis ins Jahr 1927 zurückreicht, als das Unternehmen in Menden im Sauerland gegründet wurde. Im Zuge der Übernahme der Firma Schwarting wurde der Hauptsitz der Rosier-Gruppe Nord 1989 nach Oldenburg verlegt. Thomas Rosier leitet heute das an der Bremer Heerstraße beheimatet Unternehmen „Rosier Classic Sterne“.

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Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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