Oldenburg Früher bekam die breite breite Öffentlichkeit vor allem Bilder von Journalisten zu sehen. Herauszubekommen, wann und wo die jeweiligen Bilder entstanden sind, war für die Redakteure nicht weiter schwierig – und auch die Leserinnen und Leser hatten stets eine zuverlässige und einschätzbare Quellenangabe. Doch in Zeiten von Facebook, Twitter und vor allem WhatsApp, wird es immer schwieriger, die Echtheit von Bildern und Videos zu bestätigen.

Die DPA

1949 wurde die Deutsche Presse-Agentur gegründet. Heute ist sie die größte unabhängige Nachrichtenagentur Deutschlands.

Organisiert ist die DPA als GmbH, der 180 Medienunternehmen wie Verlage und Rundfunkanstalten als Gesellschafter angehören, darunter auch die NWZ. Gesellschafter und Kunden sind somit nahezu identisch. Die DPA ist unabhängig, überparteilich und nicht an den Staat gebunden.

Wie die Deutsche Presseagentur bei der Verifizierung, also der Bestätigung der Echtheit, von Fotos und Videos vorgeht, erklärte Stefan Voß. Der Leiter der Verifikationsredaktion bei der DPA war am Mittwochabend im Medienhaus der Nordwest-Zeitung zu Gast. Wie er zu seiner Aufgabe gekommen ist, brachte Voß kurz auf den Punkt: „Wir bei der DPA haben gesagt: Wir brauchen jemanden, der Informationen aus Social Media überprüft.“ Und das ist seit 2017 das Tagesgeschäft von Voß und seinem Team.

Tipps für den Alltag

Doch die Besucher bekamen mehr als nur eine Arbeitsbeschreibung zu hören. Der Abend stand auch unter der Leitfrage: „Wie kann ich als Nutzer gucken, ob ich mit einem Bild oder Video gerade über den Tisch gezogen werde.“ Und das zeigte Voß anhand konkreter Beispiele wie Fotos und Videos: „Wir schauen dabei zunächst vor allem nach Gesetzmäßigkeiten“, so Voß. Das bedeutet zum Beispiel: Stimmen die Kennzeichen, haben die Bäume keine Blätter mehr, obwohl die Aufnahme im Juni entstanden sein soll oder ähnliches. „Gucken Sie auf die Ränder, da entdeckt man häufig Hinweise!“

Aber auch die Qualität der Bilder und Videos sei entscheidend: „Heutzutage machen Smartphones sehr gute Bilder“, sagte Voß, „wenn Sie dann per WhatsApp oder so ein Bild in sehr schlechter Qualität geschickt bekommen, dann ist das ein erster Warnhinweis.“

Deepfakes als Herausforderung

Derweil spielten nicht nur die Arten von Fälschungen, Voß nutzt den Begriff „Fake News“ nicht, da es sich nicht um News handelt, eine Rolle. Auch eine „Typologie der Fälscher“ mit möglichen Beweggründen sprach der DPA-Mitarbeiter an. Da gebe es die Aufmerksamkeits-Sucher, die Rauner („Werden wir je erfahren...?“) oder auch die Vertrauen-Zerstörer, Terror-Trittbrettfahrer und die zynischen Scherzkekse. Viele würden die Fälschungen dann aus Naivität, aber mit guten Willem teilen, etwa um andere zu warnen. Eben in Richtung dieser Menschen sagte Voß: „Bleiben Sie kritisch!“

Von der Zukunft malte Voß derweil ein eher düsteres Bild: „Es wird schlimmer werden mit den Fälschungen.“ Auch sogenannte Deepfakes, die mit Hilfe von Künstlicher Intelligenz und entsprechenden Programmen hergestellt werden, würden die Gesellschaft künftig vermehrt beschäftigen. Über die eigene Arbeit sagte Voß noch: „Es ist wie Hase und Igel“, für jedes Fälschungsprogramm, für jede Art des Fakes müssten Maßnahmen der Enttarnung gefunden werden. „Es ist eine nie endende Geschichte.“

Claus Arne Hock Redakteur / Online-Redaktion
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