Oldenburg Der Himmel hat seine Schleusen geöffnet, unaufhörlich prasselt der Regen auf die Straßen und Dächer der Stadt, die Kanalisation läuft über, Gullydeckel schwimmen auf, die Straßen sind überschwemmt, Keller laufen voll, an den tiefer gelegenen Stellen im Stadtgebiet läuft das Wasser zusammen und bildet große Seen: Ein Szenario, das in Zeiten des Klimawandels immer häufiger auftritt.

Wasser zurückhalten

Reinhard Hövel vom Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV) weiß das. Er ist beim OOWV Sachgebietsleiter Planung und Bau (Leitungswesen Abwasser) für die Stadt Oldenburg. Zu seinen Aufgaben gehört es, sich auch Gedanken darüber zu machen, wie möglichst wenig Regenwasser in die Kanalisation gelangt. Regenrückhaltung ist das Stichwort, das auf lange Sicht zum Erfolg führen soll.

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Gräben und Regenrückhaltebecken sowie Wasserspeicher unter dem Straßenpflaster spielen dabei eine herausragende Rolle. Seit einigen Jahren rücken aber auch die Dächer auf den Gebäuden in den Fokus. Sie bieten für die Regenrückhaltung ein enormes Potenzial, weiß Hövel. Einzige Voraussetzung: Man muss die geeigneten Dächer nur begrünen.

Neigung des Daches beachten

Das Gründachkataster im Internet

Tipps zur Dachbegrünung finden Sie im Internet unter

Auf einer interaktiven Karte können Sie dort auch nachschauen, ob Ihr Dach für eine Begrünung gut geeignet, geeignet oder nicht geeignet ist.

Mit einem Klick auf ihr Haus in der Karte öffnet sich ein Menü mit zahlreichen Berechnungen.

    www.mein-gruendach.de/oowv

Gut geeignet sind Dächer mit einer Neigung von bis zu 15 Grad, weiß Hövel. Theoretisch könnten auch welche mit einer Neigung von bis zu 30 Grad begrünt werden, doch sei der Aufwand dann immens hoch und die Umsetzung entsprechend kostspielig. Hövel nennt Zahlen: In Oldenburg gibt es Dächer mit einer Gesamtfläche von 326 Hektar (3 260 000 Quadratmeter) und einer Neigung von bis zu fünf Grad. Hinzu kommen rund 50 Hektar (500 000 Quadratmeter) mit einer Neigung von bis zu 15 Grad.

Bei einem einstündigen Starkregen (50 Liter auf den Quadratmeter pro Stunde) könnten, wenn 20 Prozent dieser Dächer tatsächlich begrünt wären, 15.000 Kubikmeter Regenwasser zurückgehalten werden, rechnet Hövel vor. Und weiter: „Das entspricht dem Volumen des Bürgerfelder Teichs, der rund 1,2 Meter tief ist, eine Fläche von 2,4 Hektar hat bei einer Uferlänge von 875 Metern.“

Zahlreiche Vorteile gegenüber herkömmlichen Dächern

Ein begrüntes Dach bietet laut Hövel zahlreiche weitere Vorteile gegenüber einem herkömmlich Dach. Es schützt die Dachhaut, sorgt für ein angenehmes Mikroklima, isoliert das Haus vor Kälte Hitze und Lärm, bietet Pflanzen und Tieren einen Lebensraum, reduziert den CO2-Gehalt in der Luft und bindet Feinstaub.

Benötigt wird eine zehn bis 30 Zentimeter starke Substratschicht, in der die Sedumpflanzen gedeihen können. Die sind laut Hövel ausgesprochen pflegeleicht und müssen auch über eine länger anhaltende Trockenperiode hinweg nicht gewässert werden. Allerdings muss, bevor das Dach begrünt wird, die Statik des Hauses geprüft werden. Es sollte eine Belastung von 60 bis 150 Kilogramm pro Quadratmeter aushalten.

Die Kosten belaufen sich zwischen 25 und 30 Euro für den Quadratmeter. Wer sein Dach begrünt und das beim OOWV anmeldet, muss weniger Abwassergebühren zahlen.

Auch die Stadt hat die Vorteile der Dachbegrünung erkannt und hat ein Förderprogramm aufgelegt. Eigentümerinnen und Eigentümer, Wohnungsgenossenschaften sowie Baugemeinschaften werden bei ihrer Dachbegrünung finanziell unterstützt. Gefördert werden extensive bis intensive Dachbegrünungen ab zehn Quadratmeter zusammenhängende Fläche.

Zuschüsse von Stadt

Die Voraussetzung: Ein Fachbetrieb muss diese Begrünungen anlegen. Dachbegrünungen, die verpflichtend in städtischen Neubaugebieten angelegt werden müssen, werden nicht gefördert, teilt die Stadt mit. Die Förderung übernimmt 30 Prozent der gesamten Kosten, maximal aber 25 Euro pro Quadratmeter. Die Kosten für die Planung der Statik werden mit bis zu 300 Euro bezuschusst.

Die maximale Fördersumme je Antrag beträgt 10 000 Euro. Eine Kumulation mit anderen Förderprogrammen ist grundsätzlich möglich.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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