Oldenburg Die Haustür steht auf, aber der Schlüssel steckt abgebrochen im Schloss. „Was soll ich tun?“, fragte sich eine NWZ-Leserin. Hilfesuchend wandte sie sich an einen Schlüsselnotdienst. Der half tatsächlich – aber was auf den ersten Blick Rettung in der Not war, entpuppte sich als Kostenfalle.

Über die Internetsuche war die Leserin auf die Vermittlungsseite „Schlossexperte“ (identisch mit Firma „Schlossfritze“) gekommen. Nachdem sie telefonisch ihr Anliegen erklärt hatte, sei ihr umgehend ein Handwerker geschickt worden. Doch der angebliche Helfer erweckte ihr Misstrauen. „Denn er baute ein Profi-Sicherheitsschloss in meine alte Pressspan-Haustür aus den 60er-Jahren ein.“ Und Fragen zu den Kosten sei er ausgewichen. Nach Abschluss der Arbeit habe er die Frage nach dem Preis beantwortet: 712,22 Euro sollte der Einsatz kosten – für ein ausgetauschtes Schloss, an einem Montag um 18 Uhr. „Ein Wucherpreis“ – dies habe die Versicherung ihr bestätigt. Die Frau bezahlte die Rechnung zähneknirschend.

Die Verbraucherzentrale machte der Leserin aber Mut. Sie könne sich auch nachträglich gegen diese Rechnung wehren.

Vorsorge ist wichtig

Bevor es zu einer Notlage kommt und ein Schlüsselnotdienst benötigt wird, sollte bereits eine ausgewählte Nummer eines Schlüsseldienstes im Handy gespeichert werden, rät die Verbraucherzentrale. Der Dienst sollte möglichst rund um die Uhr erreichbar sein.

Lokaler Notdienst

Oft werde Kunden vorgegaukelt, dass es sich um einen Schlüsselnotdienst vor Ort handle, warnen die Verbraucherschützer. Diese Angabe sei jedoch nicht immer korrekt. Daher sei ein Betrieb empfehlenswert, der einen Eigennamen führe und seine konkrete Anschrift mitteile. Die ersten Treffer bei Google seien meist Anzeigen, die mit Lockangeboten und kostenlosen 0800er-Nummer werben. Die Verbraucherzentrale rät auch hier, nicht gleich die erst beste Adresse zu wählen, sondern nach lokalen Anbietern zu suchen.

Auftrag prüfen

Vor Arbeitsbeginn ließen sich einige Firmen den Auftrag unterschreiben. Es sei vorher genau zu prüfen, was unterschrieben werden soll. Falls Nicht-Vereinbartes vorliegt, habe der Kunde das Recht, dies durchzustreichen.

Nicht unterschreiben

Falls der Schlüsseldienst vor Ort einen höheren Betrag fordere, als am Telefon zuvor vereinbart, könne der Kunde den Service ablehnen. Es bestehe kein Anspruch auf Zahlung, auch nicht für Fahrtkosten, betont die Verbraucherzentrale. Wenn die ausgeführte Arbeit den Vorstellungen nicht entspricht, sollte die Rechnung ebenfalls nicht bezahlt werden.

Kostenorientierung

Laut Bundesverband Metall sollte eine Türöffnung (ohne neuen Schließzylinder) werktags zwischen acht Uhr und 18 Uhr maximal 120 Euro kosten. Zu abweichenden Zeiten können es 200 Euro oder etwas mehr sein. Eine bundesweite Nachfrage der Verbraucherzentrale bei rund 600 Schlüsselnotdiensten habe ergeben, dass die Preise für eine Türöffnung in Niedersachsen durchschnittlich bei 70 Euro (werktags, tagsüber) sowie 110 Euro (nachts, sonn- oder feiertags) liegen (Stand 2017).

Anfechtung

Wer gegen eine überteuerte Rechnung vorgehen möchte, sollte bei drei bis vier seriösen Schlüsseldiensten Kostenvoranschläge einholen, rät die Verbraucherzentrale. Liege der geforderte Betrag um 100 Prozent über dem ermittelten örtlichen Durchschnittsbetrag, könne wegen sittenwidriger Überteuerung angefochten werden. Voraussetzung: Es müsse eine Rechnungsadresse existieren.

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