Oldenburg Historiker sind sich einig: Die Doktorsklappe am Einlauf des Küstenkanals in die Hunte heißt Doktorsklappe, weil zu Graf Anton Günthers Zeiten (1583 bis 1667) ein Gelehrter, dessen Name nicht überliefert ist, östlich der damaligen Stadtgrenze zwischen Hunte und damaligem Öljestrich eine Wiese mit Be- und Entwässerungsgräben gepachtet hatte. Dieses Grabensystem, das mit der Hunte in Verbindung stand, hatte auch einen Sielverschluss, den der Volksmund Klappe nannte.

Doch gab es diese Klappe zur Entwässerung tatsächlich oder wurde an dieser Stelle auf einer Klappe Wäsche und Kleidung im Wasser der Hunte gewaschen? NWZ-Leserin Karin Tiemann-Pilster ist von letzterem überzeugt.

Hinweise darauf finden sich im Autobiographischen Roman des Schriftstellers, Journalisten und Theaterkritikers Theodor Fontane (1819-1898) mit dem Titel „Meine Kinderjahre“. Dort heißt es über seine Zeit in Swinemünde: „Diese mit ihrer Staffage höchst malerisch wirkenden Flöße hießen Klappen und dienten, besonders den Fremden und Badegästen, zu besserer Ortsbezeichnung und Orientirung. Er wohnt an ,Klempin’s Klapp’, oder gegenüber von ,Janke’s Klapp’. Zwischen diesen verschiedenen Flößen beziehungsweise Waschbänken, ...“

Für Karin Tiemann-Pilster gibt es in Oldenburg noch einen Hinweis, dass es sich bei der Doktorsklappe nicht um einen Sielverschluss, sondern um einen Waschplatz gehandelt haben könnte – sei der Name Dammbleiche. Die Straße liegt nur wenige Meter entfernt von der Doktorsklappe und dort könnte, so Tiemann-Pilster, die Wäsche nach dem Waschen zum Bleichen auf Wiesen und Weiden in der Sonne ausgelegt worden sein.

Das kann alles so sein, muss es aber nicht. Wie so oft in der Geschichtsforschung gibt es verschiedene Theorien, die gegeneinander abgewogen und bewertet werden müssen – Zeitzeugen, die befragt werden könnten, oder Beweise gibt es natürlich nicht mehr. Naheliegender ist wohl, dass die Klappe den Fluss des Wassers regulierte, schreibt Reinhard Hövel vom Oldenburgisch Ostfriesischen Wasserverband, der sich von Berufs wegen mit dem Thema beschäftigt. Hövel: „Diese Klappe lag an der Hunte und regelte die Be- und Entwässerung der Wiese. Bei auflaufender Flut schloss sich die Klappe, bei Ebbe öffnete sie sich und das Wasser konnte aus den Wiesen abließen. Das sumpfige Gelände lag deutlich niedriger als heute. Die Flut lief damals aber längst nicht so hoch auf“.

Der Gelehrte, der die Wiesen bewirtschaften durfte, war ein gräflicher Beamter mit Doktortitel. So entstand die Bezeichnung „Doctoris Klappe“, später auch „Doctors-Klapp“ für den gesamten Bereich. In der Literatur ist laut Reinhard Hövel vom Oldenburgisch Ostfriesischen auch der Name „Majorsklappe“ zu finden.

Zur Dänenzeit (1667-1773) ging dieser Name auf die Befestigungsanlagen an dieser Stelle über. Auf der Karte der Festung Oldenburg von 1731 wird die Außenbastion auch als „Bremer Klappe“ bezeichnet. 1846 wurde durch den Huntedurchstich ein Teil der Wiese abgetrennt. Der nördliche Bogen, den die Hunte dort machte, wurde begradigt.

Thomas Husmann Redakteur / Redaktion Oldenburg
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