Oldenburg Neu- und Gebrauchtwagen, EU-Fahrzeuge aller Marken, Honda weiterhin im Speziellen, Werkstatt für alle Hersteller: Harmdierks im Norden der Stadt – im Dreieck mit Real und Dekra – ist als Autohaus auf dem neuesten Stand – und eine Institution in Oldenburg. Geworben wird mit dem Spruch „Das Autohaus mit Tradition und Persönlichkeit!“

Und so ist das. Denn das Unternehmen Bernhard Harmdierks, das in diesem Jahr seit 30 Jahren von der Familie Borrmann geführt wird, hat eine 100-jährige Geschichte. Angefangen hat alles 1919, mitten in der Stadt, an der Ecke Julius-Mosen-Platz 5/Neue Straße 3 – damals noch nicht mit Autos, sondern mit Nähmaschinen und Fahrrädern. Für einige Jahre wurde das Sortiment auch auf Motorräder ausgeweitet. In einer Anzeige im Jahr 1925 warb Harmdierks für seine „Adler- und Dürkopp-Kraftwagen, Wanderer-Motorräder und Büssing-Lastwagen“.

Fritz Harmdierks

Für die unternehmerische Grunddynamik bei den Harmdierks hatte schon früh ein Tausendsassa gesorgt: Für jedes seiner fünf Kinder hatte der 1864 geborene und unglaublich vielseitige Schuhmacher Johann Friedrich (Fritz) Harmdierks mal eben flott ein Unternehmen gegründet: außer zwei Autovertretungen und einer Schlachterei auch ein Nähmaschinen- und Fahrradgeschäft.

Schon 1898 befasste er sich mit Fahrrädern – trotz der großen Konkurrenz, die damals herrschte: Um 1900 gab es in Oldenburg immerhin 20 Fahrradhandlungen. Das störte Fritz Harmdierks nicht. 1904 firmierte er bereits als Fahrrad-, Nähmaschinen- und Schuhwarenhändler, schon bald gehörte sein Geschäft zu den größten im Oldenburger Raum. Dabei wirkte sich auch seine Generalvertretung der Bielefelder Dürkopp-Werke günstig aus: die Fahrradgroßhandlung Fritz Harmdierks & Co. kam hinzu.

Das war 1925 gefragt: Eine Anzeige für Autos von Adler und Dürkopp, Motorräder von Wanderer, Lastwagen, Werkstatt.

Und kaum zu glauben: Die Idee für das noch in den 20er-Jahren gebaute kettenlose Dürkopp-Fahrrad kam von Fritz Harmdirks. Er verkaufte die Lizenz an die Dürkopp-Werke, die ihm für jedes gefertigte Fahrrad dieses Typs eine Lizenzgebühr von 3 Mark zahlten. Der quirlige Unternehmer besaß auch noch eine eigene Emaillieranstalt und einen Drehereibetrieb, um notfalls Ersatzteile selbst herstellen zu können. Die verkauften Autos von Adler, Dürkopp, die Wanderer-Motorräder und Büssing-Laster reparierte Harmdierks auch selbst. Er kannte weder Rast noch Ruhe, nahm nebenher noch bezahlte Nebenämter an – etwa bei der Feuerwehr – und blieb bis ins hohe Alter aktiv und dem Unternehmen bis zu seinem Tod 1944 eng verbunden.

Den heutigen Namen gab dem Unternehmen Bernhard Harmdierks. Er erwarb mit 29 Jahren den Meisterbrief als „Fahrradbauer“ – und das war wörtlich zu nehmen: auch die Rahmen wurden selbst hergestellt. Viele Jahre war er Obermeister und später Ehrenobermeister der Oldenburger Mechaniker-Innung, nebenher auch Politiker im Rat der Stadt. Ein Herzleiden setzte 1954 seinen sehr erfolgreichen Wirken ein Ende.

Honda und Vespa

In das angesehene, große Zweirad- und Nähmaschinengeschäft trat 1958 der Kaufmann Hans Günter Rave ein, der ein Jahr später Ellis Harmdierks, die Tochter von Bernhard Harmdierks, heiratete. 1973 beschlossen die beiden, das Unternehmen, das in der Innenstadt keine Ausdehnungsmöglichkeiten mehr hatte, am neuen Standort in Etzhorn als spezialisiertes Motorradgeschäft fortzuführen. Der Betrieb setzte damals Maßstäbe für Motorradhäuser. Im Fachmagazin hieß es: „Dekorative Mittel lockern diese imponierende Schau auf, die an eine Präsentation von Automobilen denken lässt. Jedes der in langen Reihen aufgestellten Fahrzeuge ist von allen Seiten zugänglich. (...) Die Außenfassade mit weithin sichtbarem Schriftzug und den Markenzeichen von Honda und Vespa trägt sich als Bild eines modernen Unternehmens ein.“

1989 stieg dann die Familie Borrmann ein, die ebenfalls schon lange einen Namen im Autogeschäft in der Stadt hatte. Carl Borrmann war als Lackiermeister irgendwann ins Autogeschäft eingestiegen. Sein Vater, ebenfalls Carl Borrmann, hatte eine Lackiererei im Johannisviertel in der Nelkenstraße.

Carl Borrmann junior hatte seine Lackiererei an der Wilhelmshavener Heerstraße (heute Förster & Beling), daneben aber zunächst ein Autohaus für Peugeot an der Nelkenstraße, dann für Volvo und Mitsubishi an der Wilhelmshavener Heerstraße, später zusätzlich auch Toyota.

Chefin an der Spitze

Die heutige Chefin Dr. Angela Borrmann, die lange in den USA gelebt und in Theoretischer Chemie promoviert wurde, hat sich für das Unternehmen des Vaters gewinnen lassen – und liebt das handfeste Autogeschäft. Mit ihren 15 Mitarbeitern kümmert sie sich um das Mehrmarken-Center Harmdierks, das sich mit seinen Angeboten nicht nur bis heute täglich beweist, sondern auch ein hochinteressantes Stück Stadtgeschichte ist.

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Karsten Röhr Redakteur / Redaktion Oldenburg
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