Oldenburg Zwei Kästen stehen auf dem Balkon des Sozialgerichts am Schlosswall 16. Man kann sie vom Schlossgarten aus sehen, wenn man den Weg an der alten Hunte entlang läuft.

Unauffällig stehen die Holzkästen auf dem Balkon, von dem der Blick über den Schlossgarten geht. Der Inhalt der Kästen und ihr Weg auf den Balkon ist umso interessanter. Es handelt sich um Bienenstöcke, erklärt der Direktor des Gerichts, Wulf Sonnemann. Trixi Stalling, die Leiterin des Schlossgartens, habe ihn vor einiger Zeit gefragt, ob es nicht eine tolle Idee sei, zwei Bienenvölker auf seinen Balkon zu stellen.

„Anfänglich befürchtete ich, wir müssten das ganze Gebäude mit Insektengittern versehen“, berichtet Sonnemann. In den zwei Monaten, in denen die Kästen bereits auf seiner Büroterrasse stehen, sei aber lediglich eine Biene in sein angrenzendes Büro geflogen. Diese sei genau so schnell wieder verschwunden. Lachend fügt Sonnemann hinzu: „Da war das Gericht wohl nicht so interessant wie die Blumen.“

Vorsorglich habe er Fliegenschutz-Rollos an all seinen Fenstern installieren lassen. Er stellt fest: „Zum Einsatz gekommen sind sie aber noch gar nicht“. Auch Mitarbeiter oder Besucher seien noch nicht von Bienen belästigt worden, obwohl die Fenster häufig offen stünden.

„Vor Bienen braucht man keine Angst haben“, fügt Andreas Tolkmitt, Pressesprecher und stellvertretender Direktor des Sozialgerichts, hinzu. „Solange man den Insekten nichts antun möchte, lassen sie einen in Ruhe“, erklärt er.

Das Sozialgericht hat seinen Sitz im Elisabeth-Anna-Palais direkt am Schlossgarten. Erbaut wurde es als Wohngebäude für die gleichnamige Gemahlin des Großherzogs von Oldenburg und deren Mann, Friedrich August II. „Der Balkon ist ein Relikt aus der Zeit, in der das Gebäude noch bewohnt wurde“, so der Direktor.

Zu dieser Zeit sei der Balkon ein Wintergarten im zweiten Obergeschoss gewesen. Heute existiert von diesem Wintergarten nur noch jene Terrasse. Es sei daher nicht so schlimm, dass der Balkon durch die Bienen in Beschlag genommen werde. „Der wurde noch nie wirklich von uns genutzt“, sagt Sonnemann.

„Es ergibt natürlich geografisch und historisch Sinn, dass gerade wir jetzt zwei Bienenstöcke geliehen bekommen“, fährt er fort. Schließlich stehe das Sozialgericht neben dem Schlossgarten und sei früher Teil davon gewesen.

Bevor der Schlosswall in den 60er Jahren gebaut wurde, erstreckte sich der Schlossgarten bis zum Schloss und umfasste das Palais. Gerade weil häufiger Bienenstöcke zerstört werden, schütze die hohe Lage sehr vor Vandalismus. „Das ist natürlich nicht der Hauptgrund, aber es ist ein willkommener Sachverhalt“, sagt Sonnemann.

Die Ausrichtung des Balkons zum Garten sei ideal, da die ungefähr 60 000 Bienen direkt die eigens für sie angelegte Blumenwiese anfliegen können. Direkt unterhalb der Terrasse befindet sich diese neue Wiese. Im Schlossgarten selbst gebe es weitere Nahrungsquellen. „Das kommt wahrscheinlich nicht von ungefähr“, sagt Tolkmitt. Schließlich sei Trixi Stalling ausgebildete Imkerin. Der ganze Schlossgarten beheimate viele blühende Pflanzen und sei somit sehr insektenfreundlich.

„Natürlich kümmern wir uns nicht selbst um die Bienen“, sagt Sonnemann. Trixi Stalling betreue schließlich weitere Bienenvölker im Schlossgarten. Sie sorge auch für die beiden Bienen auf dem Balkon des Sozialgerichts.

Auf Frage der NWZ, ob das Sozialgericht etwas von der Honigernte abbekomme, antwortet er schmunzelnd: „Es sind nicht unsere Bienen, aber natürlich hoffen alle Mitarbeiter, dass wir ein Glas Schlossgartenhonig für ein gemeinsames Frühstück abbekommen“. Aber auch wenn das Gericht keinen Honig erhalten sollte, so sei der Bienenstock ein Zeichen der guten Nachbarschaft.

Es gehe nicht nur um geografische Nähe, sondern auch um die enge Zusammenarbeit und Freundschaft der beiden Institutionen. Ein Mietvertrag sei nicht unterschrieben worden. Eine mündliche Einigung zur Aufnahme der Bienen habe gereicht.


Mehr Infos unter   www.nwzonline.de/insektenjahr 
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