OLDENBURG Das gibt’s nur ganz selten: Helmut Steinhauer ist nicht nur als 79-Jähriger mit vollem Einsatz berufstätig, er ist auch seit 60 Jahren beim gleichen Arbeitgeber – dem Haus- und Grundbesitzerverein Oldenburg (Haus & Grund). Und ein Ende ist nicht in Sicht: „Helmut Steinhauer ist gar nicht zu ersetzen“, sagt der Vereinsvorsitzende Klaus Stryga. Und intern erfährt man, dass der Mann für drei arbeitet – präzise und verlässlich.

Ausgleich als Ziel

Steinhauer, 1932 in Osternburg geboren, fing am 1. März 1951 bei Haus & Grund an – nach einer Lehre in einem Rechtsanwaltsbüro gleich als Bürovorsteher. Zentrales Thema damals war die Wohnraumbewirtschaftung – Oldenburg wuchs durch den Zuzug von Flüchtlingen um ein Drittel, es gab nicht genügend Wohnraum und die Alteingesessenen mussten Untermieter aufnehmen.

So richtig begeistert waren längst nicht alle, die Platz machen sollten, und so wurde oftmals Haus und Grund eingeschaltet. Steinhauer übernahm – und zeigte eine Herangehensweise, die sein ganzes Berufsleben prägen sollte – „Ich bemühte mich, Verständnis zu wecken, kein Öl ins Feuer zu gießen. So schloss ich viele Vergleiche.“

Steinhauer, obgleich kein Volljurist, übernahm die Vertretung der Mitglieder vor Gericht. „Hier“, sagt er und deutet auf ein Handzeichen auf einer vergilbten Gerichtsakte, „das war der Volljurist Kellner, der hat viel auf mich delegiert.“ Fünf bis sieben Gerichtstermine pro Woche – Steinhauer machte selten pünktlich Feierabend, arbeitete auch am Wochenende – so blieb es bis heute. „Das funktioniert nur“, sagt er, „wenn die Familie voll dahinter steht.“ Er stehe jeden Morgen um 6 Uhr auf „und fahre immer ohne Sorgen ins Büro“.

Und dort hat er klare Vorstellungen. „Service, Service, Service“ – so definiert er die Aufgabe des Verbands. Kein Fall wurde an externe Anwälte abgegeben, alles im Haus erledigt. 1956 wurde er von der Vollversammlung zum Geschäftsführer des Ortsverbandes gewählt, „obwohl es durchaus Zweifler daran gab, dass ein 24-Jähriger das schaffen kann.“ Die Mehrheit sah es anders. Und so war es auch kein Wunder, dass Steinhauer 1970 Geschäftsführer des Landesverbands Oldenburg wurde – dieses Amt hat er noch immer inne, denn 2003, als man mit 71 (!) über seinen Ruhestand nachdachte, hörte man auch gleich schnell wieder damit auf.

Ruhestand ausgesetzt

Immerhin: Geschäftsführer des Ortsverbands wurde damals Jan-Dieter Hickstein, und Stryga handelte mit Steinhauer aus, dass der dem „Neuen“ noch an drei Tagen in der Woche zur Einarbeitung zur Seite stehen würde – und weil Steinhauer auch noch Schriftleiter der Verbandszeitung ist, kommt er nach wie vor fast jeden Tag – und so manches Wochenende in das Büro an der Staulinie. Schwerpunkt der Arbeit sind heute Mietrechtsstreitigkeiten und – Nachbarschaftsstreit. „Die Verdichtung fordert ihren Tribut“, sagt Steinhauer.

Zusätzlich regelt er die Angelegenheiten der „Otto-Puzicha-Stiftung“, die 1989 aus dem Nachlass eines kinderlosen Oldenburgers finanziert wurde. „Mittlerweile hat die Stiftung mit Stadt und GSG 22 Seniorenwohnungen in Bloherfelde und Kreyenbrück gebaut“, bilanziert Steinhauer.

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Wenn er denn mal zu Hause ist, kümmert er sich mit Ehefrau Irmgard um den 1300 Quadratmeter großen Garten, geht einmal die Woche bei Tura zum Sport, fährt auf dem Heimtrainer oder handwerkt in „meiner gut ausgestatteten Werkstatt“. Dass die ebenso aufgeräumt ist wie sein Schreibtisch, ist seinem Motto geschuldet: „Ich muss den Überblick haben.“

Das setzt er weiterhin täglich für die Mitglieder um – mit Leidenschaft. Selbst, wenn er eines kritisch sieht: „Bei neuen Mitgliedern steht meistens gleich ein Rechtsstreit an – Mitglied zu sein, um die Solidargemeinschaft zu stärken, verliert als Argument immer stärker an Bedeutung.“

Thorsten Kuchta stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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