OLDENBURG Zum ersten Mal 310 PS unter dem Hintern. Irgendwo hinter mir grummelt ein 12,8-Liter-Sechszylinder. Vor der Frontscheibe erstreckt sich einladend die leergefegte Landebahn des Fliegerhorsts. Automatikhebel auf D, Handbremse los, das Gaspedal bis zum Bodenblech getreten – doch der Geschwindigkeitsrausch bleibt aus. Nach 20 Sekunden bleibt die Tachonadel bei Tempo 80 hängen und verharrt dort.

Irgendwie war das zu erwarten: Das 310-PS-Aggregat muss schließlich ein 18 Meter langes Fahrzeug mit 18 Tonnen Gewicht auf Touren bringen – das grün-gelbe Gefährt ist kein Rennbolide, sondern ein Gelenkbus der VWG, betrieben mit Erdgas.

Also weg von der Rollbahn, rein in die Kasernensiedlung. Hier auf dem Fliegerhorst kann der Testfahrer nur wenig Schaden anrichten. Dennoch beschleicht den Mann am Lenkrad ein mulmiges Gefühl, wenn er den 18-Tonner mit flexibel angebrachtem Heck durch die Straßen lenkt.

Schließlich ist der Bus so viel wert wie zwei Einfamilienhäuser: Knapp 400 000 Euro Schaden könnte man im schlimmsten Fall anrichten. Obwohl der Fliegerhorst nicht mehr genutzt wird, stehen viele parkende Autos am Straßenrand. Aus Sicht des Neu-Busfahrers sind das alles Hindernisse. Alle gemeistert, immerhin. Weiter geht’s.

Der Bus lässt sich wegen der ausgezeichneten Servolenkung zwar mit einem Finger steuern, aber beim Blick in die Außenspiegel wird deutlich, wie viele Meter man mit um die Kurve schleppen muss. „Vorsicht“, ruft dann auch Verkehrsmeister Uwe Sander, „da ist der Kantstein“. Und schon schmiert der Reifen der dritten Achse am Straßenrand entlang. „Reifen“, sagt VWG-Pressesprecher Morell Predoehl, „sind die Teile, die am häufigsten gewechselt werden.“ Ähnlich wie Bremsbeläge. Immerhin macht die VWG nur zwei Stunden Pause in der Nacht, und die Busse bremsen an jeder Haltestelle.

Die Runde endet. Handbremse angezogen, Motor aus. Fazit: Hochachtung vor den Männern und Frauen, die diese Kolosse mit Fahrgästen durch den Normalverkehr steuern. Einfach nur Respekt.

VWG will bis 2016 nur noch mit Erdgasbussen fahren

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Die VWG verfügt zurzeit über 91 Busse – 29 davon fahren mit Erdgas. Der Bus, den NWZ-Redakteur Thorsten Kuchta fuhr, trägt acht Gasflaschen mit jeweils 214 Litern Erdgas auf dem Dach. Die Reichweite beträgt 350 Kilometer. Damit kann auch der „Weser-Sprinter“ nach Nordenham seine Runde ohne zwischenzeitliches Auftanken fahren.

Die Erdgastankstelle im VWG-Depot an der Felix-Wankel-Straße kostete 1,4 Millionen Euro und ist so ausgelegt, dass 2016, wenn alle VWG-Busse mit Erdgas fahren, die Flotte in einer Nacht betankt werden kann. Dafür laufen leistungsfähige Kompressoren. Eine „normale“ Erdgastankstelle müsste nach einer Busfüllung mehrere Stunden „Druck“ nachtanken.

Thorsten Kuchta stv. Redaktionsleitung / Redaktion Oldenburg
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