OLDENBURG In Oldenburg soll alles so bleiben, wie es ist. Und der Chef zieht sich auch nicht zurück.

Von Thorsten Kuchta OLDENBURG - Arbeiten müsste er in diesem Leben eigentlich nicht mehr – aber zurücklehnen, das ist Niels Metgers Sache nicht. „Jetzt“, sagt der Chef, Gründer und ehemalige Hauptaktionär von Red Dot Solutions, „gebe ich erst richtig Gas.“ Obwohl er und die anderen Aktionäre das Unternehmen in dieser Woche für 43,6 Millionen Euro an den kanadischen Konzern Hummingbird verkauft haben, bleibt Metger am Ruder und steuert ein klares Ziel an: „Wir wollen“, sagt er, „in unserem Marktsegment Weltmarktführer werden.“

Warum aber hat er dann das 1993 gegründete Unternehmen verkauft? „Weil wir aus einer Position der Stärke heraus verhandeln konnten“, sagt er. Der Umsatz habe in diesem Jahr angezogen, sogar im schwierigen deutschen Markt, es gehe Red Dot besser denn je – „und das hat sich natürlich auf den Preis ausgewirkt“. Viel wichtiger sei aber gewesen, „dass wir unsere Bedingungen für den Standort Oldenburg festschreiben konnten.“ Was bedeutet: Alle 78 Leute bleiben, die Software wird weiter hier entwickelt, das Management nicht ausgetauscht. Sonst hätte er auch nicht verkauft, sagt Metger: „Wir hatten keine Not zu verkaufen, wir haben große Ziele“. Nur alleine hätte man die eben nicht verwirklichen können.

Hummingbird stimmte allem zu, weil die Kanadier zwar 30 000 Kunden haben, aber den Mittelstand nicht beherrschen. Da passt Red Dot gut ins Konzept – und das wiederum macht die Oldenburger stark. „Wir können über Hummingbirds Vertriebskanäle verfügen, und das öffnet uns die Märkte in Südamerika, Asien und den Ländern Europas, in denen wir noch keine Standbeine haben.“

Die seit drei Jahren bestehende Partnerschaft mit Hummingbird hätte dafür nicht „genug Dampf auf den Kessel gebracht.“ Auch, weil Hummingbird nicht alle Red-Dot-Produkte vermarktete: „Es tat mir weh, weite Teile der Welt nicht bedienen zu können.“ Nun gehen alle Produkte durch die weltweiten Kanäle, und so „steuern wir mit missionarischem Eifer das Ziel Weltmarktführerschaft an“. Missonarischer Eifer? „Ich will den roten Punkt, unser Markenzeichen, so weit verbreiten, wie es nur geht.“

Red Dot ist eine der wenigen Internet-Sterne, die nicht im Börsen-Crash von 2001 verglühten. Glaubt man Niels Metger, hat er das vorausgesehen: „Ich spürte, dass die Sache ganz groß werden kann. Viele haben gesagt, ich nehme den Mund zu voll, aber ich habe immer an den Erfolg geglaubt.“ Und heute – „da sieht die Zukunft von Red Dot rosiger aus denn je“.

Metger wurde 1962 als Sohn des späteren stellvertretenden AGO–Schulleiters geboren. Nach dem Studium sammelte er Managementerfahrung u.a. bei Pepsi Cola und als Vertriebsleiter für Mobilcom.

Internet-Stern strahlt immer heller

Niels und Anke Metger gründeten Red Dot 1993. „Wir haben sehr klein angefangen und uns ohne Kredite und Förderung von Monat zu Monat gehangelt”, sagt Metger.

Aus einem kleinen Team rund um die Metgers – gestartet wurde in deren Privatwohnung – wurde ein Unternehmen mit weltweit 165 Menschen, 78 davon in Oldenburg.Neben Niels und Anke Metger waren die Venture-Capital-Gesellschaften 3i und Viewpoint Capital Partners beteiligt.

Die Software der Info-Terminals konnte auch für Websites genutzt werden. Entwickelt wurde das Redaktionssystem „info office”, mit dem vom Praktikanten bis zum Vorsstand jeder Mitarbeiter in der Lage ist, das Internetangebot eines Unternehmens selbstständig zu aktualisieren - ohne Schulung.

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Zu den ersten Abnehmern gehörten Mercedes-Benz, der Axel Springer Verlag, Bertelsmann und viele andere.

Red Dot unterhält Niederlassungen, die die Produkte vermarkten, in den USA, Kanada, Brasilien, Australien und mehreren europäischen Ländern.

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